Mendener Grüne setzen Kampagne gegen Atomstrom fort

Menden..  Zwischen den Jahrestagen der Atomkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl fahren die Grünen in Menden eine Anti-Atomkraft-Kampagne. Was am 11. März mit dem Info-Stand zu Fukushima vorm Alten Rathaus begann, soll am kommenden Freitag mit einem „Politischen Themenabend“ zu den Themen Atommüll und Regenerative Energien fortgesetzt werden– mit prominenten Gästen: Jochen Stay, einer der führenden Köpfe der Organisation „Ausgestrahlt“, und Klimaschutz-Preisträger Georg Engelmann wollen am 24. April ab 19 Uhr im Naturschutzzentrum Arche Noah mit möglichst vielen Gästen diskutieren.

„Auch Menden in GAU-Gefahrenzone“

Dabeisein soll auch der Verein „Renergie Ruhr-Hellweg“, der Bürgern mit Rat und Tat hilft, wenn sie Photovoltaik-Anlagen anschaffen wollen. Am 26. April, dem Tschernobyl-Jahrestag, sind ein Kinofilm und der Ratsantrag geplant, Menden zur atomstromfreien Stadt zu machen.

Angelos Papadopoulos, Vorsitzender der Mendener Grünen, und die Vorstandsmitglieder Ingrid Ketzscher und Holger Hartnig, Kreissprecher der Grünen Jugend, stellten die Kampagne jetzt der WP vor. „Das Thema Atomstrom hat sehr wohl mit Menden zu tun, auch wenn wir kein Atomstandort sind“, sagt Papadopoulos. Denn auch Menden liege, wie schon vor Monaten berichtet, in der unmittelbaren Gefahrenzone der Kernkraftwerke Grohnde, Lingen und Tihange. „Obwohl bei einem GAU (Größter Anzunehmender Unfall, die Red.) auch der Märkische Kreis radioaktiv kontaminiert werden könne, gebe es hier keine Vorkehrungen, fasst Ingrid Ketzscher die Ergebnisse der damaligen Recherche zusammen. So sei ein Ernstfall nie geprobt worden, spezielle Schulungen von Rettungskräften im Umgang mit Strahlenopfern gebe es ebenfalls nicht.

Die Grünen hofften, dass nun auch die Bevölkerung ein Zeichen setzen und auf Atomstrom verzichten will: „Wenn niemand Atomstrom kauft, wird er bald nicht mehr produziert“, sagt Holger Hartnig.

Den Atomausstieg könne tatsächlich jeder selbst vollziehen – durch den Wechsel zu einem Anbieter, der nur Strom verkauft, der nicht aus Atommeilern stammt. Wie das funktioniert, hatten die Grünen bereits am Infostand im März erläutert.

Ketzscher will nun die Stadt Menden zum Vorreiter machen: Öffentliche Gebäude wie Schulen, Kindergärten, Rathaus oder Stadtbücherei sollen nur noch mit Grünstrom versorgt werden. Während dies in der Kreisstadt Lüdenscheid schon seit Jahren umgesetzt ist, sei der letzte Mendener Antrag der Grünen abgelehnt worden.

Ein wichtiger Grund für ein atomstromfreies Menden liegt laut Ketzscher indes in der ungelösten Frage, was mit dem strahlenden Atommüll passieren soll. „Kein Gramm dieser zitausend Tonnen ist bisher sicher entsorgt“, stellt die Ratsfrau fest.

Grünstrom für öffentliche Gebäude

Eine Konsequenz daraus sollte nach ihrer Meinung eine Stromversorgung sein, die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird und obendrein in Bürgerhand ist. Über letzteres will im Naturschutzzentrum am Freitag vor allem der Bürgerverein Renergie Ruhr-Hellweg berichten.

Am Sonntag soll dann im Kino der Film „Die Reise zum sichersten Ort der Erde“ zu sehen sein, der die Konflikte um den Atommüll aufgreift.