Mendener Firmen beklagen das Schneckentempo im Netz

Menden..  Man stelle sich vor, ein deutsches Unternehmen hätte an seinem Firmensitz nur zwei Stunden am Tag Strom. Gibts nicht? Stimmt, die Stromversorgung ist in Deutschland kein Problem. Allerdings ist eine schnelle Internetverbindung für viele Betriebe mittlerweile fast genauso wichtig wie der Stromanschluss.

Aber die Breitbandversorgung ist in großen Teilen von Menden quasi auf Dritte-Welt-Stand. Der neue Breitbandatlas der südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) weist bei 91 befragten Mendener Unternehmen aus, dass 62 Prozent mit der aktuellen Breitbandversorgung unzufrieden sind. Zwei Drittel der Unternehmen müssen mit Internetverbindungen von unter 16 Mbit/s auskommen.

Mendener Betriebe wie Smart Media Solutions in Schwitten haben wegen des Schneckentempos im Netz höhere Personalkosten als Mitbewerber an anderen Standorten. Das Werbeunternehmen erstellt unter anderem Webseiten für seine Kunden – und kann aus dem Büro die Produkte nur mit 25Kbit/s hochladen.

Den Computer zu Hause nutzen

Smart Media behilft sich mit Improvisation. „Mitarbeiter laden sich die Daten auf einen USB-Stick, fahren nach Hause und laden von dort aus hoch“, berichtet Manuel Trilling. Was im Büro eine Stunde dauern würde, klappe vom Heimcomputer aus in einer Minute. Man habe sämtliche Internetanbieter um Hilfe gebeten. Aber keiner wolle eine bessere Breitbandversorgung bauen. Die Alternative, nämlich schneller LTE-Funk, sei extrem teuer. Für Manuel Trilling ist wegen der schlechten Internetverbindung nicht einmal ein Umzug ausgeschlossen: „Wir sind Menden sehr verbunden, aber mit der Stadt nicht verheiratet“.

Smart Medias Firmensitz liegt in einem Wohngebiet. Doch selbst in einem vergleichsweise neuen Gewerbegebiet gibt es die selbe Internetmisere.

Die Buchbinderei Schomaker zog vor sieben Jahren nach Hämmer-Riekenbrauck – und war entsetzt über die praktisch nicht bestehende Internetverbindung. Mittlerweile zahle man mehrere Hundert Euro im Monat für eine selbst organisierte Verbindung mit 10 Mbit/s. Ein Komplettanschluss des ganzen Gewerbegebietes war den Internetanbietern bisher zu teuer.

Vorwurf: Stadt mitverantwortlich

Thomas Schomaker nimmt auch die Stadt Menden für die aktuelle Situation in die Verantwortung: „Es ist traurig, dass eine Stadt ein neues Industriegebiet ausschreibt und dabei nicht an eine vernünftige Breitbandversorgung denkt“.