Menden will Straßen mit NS-Bezug verbannen – aber ohne Druck

Ein Arbeitskreis untersucht, welche Straßennamen in Menden einen Bezug zum Nationalsozialismus haben.
Ein Arbeitskreis untersucht, welche Straßennamen in Menden einen Bezug zum Nationalsozialismus haben.
Foto: Tobias Schad
Was wir bereits wissen
Ein Arbeitskreis soll richten, was der Mendener Politik seit Jahren nicht gelingt. Wie schnell werden Straßennamen mit NS-Bezug verschwinden?

Menden.. Ein Arbeitskreis soll richten, was der Mendener Politik seit Jahren nicht gelungen ist. Sie sollen Straßennamen mit nationalsozialistischem Bezug im Stadtgebiet ausfindig machen. Samt und sonders honorige Persönlichkeiten, alle fernab kommunalpolitischer Tätigkeit, sollen sichten und bewerten.

Zum Arbeitskreis gehören beispielsweise die Pfarrer Jürgen Senkbeil und Matthias Hoffmann, seitens der Stadt werden sich Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck (Arbeitskreisleiterin) und Stadtarchivar Norbert Klauke beteiligen. Für weitere Sondierungen werden erfahrene Lehrer hinzugezogen.

„Es gibt den Arbeitsauftrag, aber keine zeitliche Beschränkung oder Druck, schnell Ergebnisse vorweisen zu müssen“, so Stadtpressesprecher Manfred Bardtke nach einer Anfrage unserer Redaktion. Mehrfach hatte die Politik in den zurückliegenden Jahren gezaudert, über Bürgeranträge auf Straßen-Umbenennungen zu entscheiden. Noch bei den Gedenkfeiern zur Pogromnacht am 9. November 2014 hatten Mendener protestiert, indem sie Straßenschilder mit nationalsozialistischem Bezug präsentierten.

Lersch, Seidel, Kahle

Insbesondere Heinrich Lersch, Maria Kahle und Ina Seidel waren als Personen genannt worden, die einen Bezug zu NS-Gedankengut hatten. Zuletzt war in einem Bürgerantrag der Name Richard Wagner ins Spiel gebracht worden.

Manfred Bardtke: „Der Arbeitskreis wird sich aber nicht nur mit diesen Namen befassen, sondern generell prüfen.“ Die Präsentation gegenüber der Politik – wann immer das dann sein wird – dürfte jedoch nur ein Teil eines langen Prozesses sein. „Umbenennungen sind meistens auch mit massiven Reaktionen von Anwohnern verbunden“, weiß Bardtke aus Erfahrung. Dabei ist dies in Menden in den vergangenen gut 30 Jahren nur einmal passiert.

Im Stadtteil Platte Heide war in den 1990er Jahren unter Protest von Anwohnern der Erikaweg in Pastor-Fischer-Weg umbenannt worden. Die Initiative kam aus der St.-Marien-Gemeinde, die an ihren ersten Pfarrer erinnern wollte. Seinerzeit entschied sich der Bezirksausschuss für den neuen Namen.