Menden im Zentrum der Dschihadisten-Razzia

Salafist Hasan K. ging nach WP-Informationen in Menden aufs Berufskolleg.
Salafist Hasan K. ging nach WP-Informationen in Menden aufs Berufskolleg.
Foto: picture alliance / dpa

Menden..  Menden ein Unterschlupf der Dschihadisten-Szene? Darauf deutet die Durchsuchungsaktion hin, mit der Bund und Länder am Donnerstag gegen die mi­li­tant-dschi­ha­dis­ti­sche Ver­ei­ni­gung „Tauhid Germany“ vorgingen. Von deutschlandweit 26 durchsuchten Objekten liegen alleine neun im Märkischen Kreis, davon offensichtlich mehrere in Menden.

Einsatzkräfte kamen geräuschlos

Die Ermittler waren am Morgen gegen 6 Uhr ausgerückt und hatten erste Wohnungen durchsucht. Der Einsatz lief äußerst geräuschlos ab. Nachbarn bekamen nichts mit. Und selbst die hiesige Polizei war nur darüber informiert, dass da etwas passiert, wusste aber nicht was. „Der Einsatz unterliegt strikter Geheimhaltung“, sagt Polizeisprecher Kim-Ben Freigang von der Dortmunder Polizei. Die Behörde koordinierte den Einsatz im Märkischen Kreis. Die Regie hatte das Bundesinnenministerium, nachdem Minister Thomas de Maizière die Organisation zeitgleich verboten hatte. Den Islamisten wird vorgeworfen, verfassungsfeindlich zu sein und zum sogenannten Heiligen Krieg aufzurufen.

Das Innenministerium bestätigt auf Nachfrage, dass es in Menden keine Festnahmen gab. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen sich Polizei und Ministerium noch nicht einmal zu Stadtteilen äußern, in denen sie gegen die Islamisten-Szene vorging. Die Polizei stellte Propagandamaterial, Computertechnik und Material für Infostände sicher.

Genau mit solch einem Infostand war die sonst in Menden völlig unauffällige Organisation am 21. Februar in Menden aufgefallen. Vor dem Alten Rathaus verteilte Hasan K. alias Abu Ibrahim samstags Flugblätter mit „Informationen zum Islam“. Der Kopf der Organisation soll einmal der Rahel-Varnhagen-Berufskolleg besucht haben. Als Gastronom soll er in Hemer gearbeitet haben. Nach Recherchen der Redaktion hat er bis Sommer 2014 in Deilinghofen gewohnt, ist dann nach Iserlohn gezogen. Als Salafist ist er vor allem in Solingen in Erscheinung getreten. Die dort beheimatete Vereinigung „Millatu Ibrahim“ hatte Muslime in ganz Deutschland zum aktiven Kampf gegen die verfassungsmäßige Ordnung aufgerufen. Nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden gehört Hasan K. seit 2011 zu den „einflussreichsten islamistischen Scharfmachern“.

Haftstrafe nicht angetreten

Nach den gewalttätigen Demonstrationen 2012 in Solingen war er wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Polizei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht verurteilte den Tauhid-Anführer im Berufungsverfahren im November 2014 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Seine Strafe hat er bislang nicht angetreten.