Meiler hält sich nicht an den Zeitplan

Die Meilertage in der Lürbke gehen zu Ende, die Holzkohle ist fertig. Mehr als 300 Säcke können abgefüllt und verkauft werden.
Die Meilertage in der Lürbke gehen zu Ende, die Holzkohle ist fertig. Mehr als 300 Säcke können abgefüllt und verkauft werden.
Foto: WP

Lürbke..  Um elf Uhr sollte am Sonntag der Holzkohlemeiler, der am 14. Mai zu den 5. Lürbker Meilertagen in Brand gesetzt worden war, geöffnet werden. „So sah es unser Programm eigentlich vor“, berichtete Reinhold Schulte, Brudermeister der Schützenbruderschaft St. Hubertus Lürbke. Doch bereits am Samstagmorgen hatte der Meiler zur Überraschung aller aufgehört zu rauchen.

„Dann muss man ihn öffnen, denn er war schon um ein Drittel zusammengefallen. Lässt man ihn dann weiter kohlen, frisst er sich selber auf. In jeder weiteren Stunde gehen dann ein paar Säcke Kohle verloren“, erklärte Hubertus Birkelbach, Forstwirtschaftsmeister und nebenberuflich Köhler.

Das Köhlerhandwerk hat der 1967 geborene Schmallenberger bereits in jungen Jahren von seinem inzwischen verstorbenen Vater Günter erlernt. Dieser hatte auch 1995 in der Lürbke den ersten Meiler der „Neuzeit“ entzündet und danach noch weitere Meilertage begleitet.

„Seit dem 14. Mai hat Hubertus hier jede Stunde in seiner Köhlerhütte neben dem Meiler verbracht, und war seitdem der wichtigste Mann in der Lürbke. Vereinsmitglieder haben ihn mit Essen und Getränken versorgt“, erzählte Brudermeister Reinhold Schulte. „Diese Köhlerhütte ist recht groß, fast schon eine Luxushütte“, meinte Hubertus Birkelbach. Früher hätte man genommen, was der Wald bot. Jede dritte Stunde müsse man nachts nach dem Meiler sehen. Denn zu viel Sauerstoff könne bedeuten, dass der Meiler in Flammen aufgeht. Dann bliebe nur Asche.

Die Köhlerhütte steht in der Lürbke ein wenig abseits vom Meiler und bietet genug Platz zum Essen und Schlafen. In früheren Zeiten seien die Hütten innen sehr klein, außen aber sehr groß gewesen. Das Baumaterial durfte der Köhler später nach getaner Arbeit mitnehmen. „Das Holz bedeutete einen Zuverdienst, so sparte der Köhler beim Bau seiner Hütte nicht am Holzvolumen“, erzählt Birkelbach.

3,5 Tonnen Kohle

Weil der Meiler vorzeitig „gar“ geworden war, gab es ihn am Sonntagmorgen nun leider nicht mehr zu sehen, denn man hatte bereits begonnen, die Kohle einzusacken. „Wir haben nun ca. 3,5 Tonnen Holzkohle hier. Das sind mehr als 300 Säcke“, so der Brudermeister. Im Vorfeld waren Gutscheine für die Holzkohle verkauft worden, aber am Sonntag gingen auch noch Säcke in den freien Verkauf. Das Holz für den Meiler erwarben die Lürbker bereits im vergangenen Jahr, denn es musste trocknen. „Wir haben Buche genommen, das gibt Spitzenqualität, aber man kann auch jede andere Holzart verkohlen“, erklärte Reinhold Schulte.

Sehr zufrieden zeigte sich die St. Hubertus Schützenbruderschaft mit den 5. Meilertagen. Viele Besucher waren gekommen, der Bauernmarkt war sehr gut besucht. „Besonders der ,Treckerführerschein’ für Kinder, der bei den Dieselknechten gemacht werden konnte, kam super an“, berichtete Reinhold Schulte. „Es gab auch Baggerfahren für Kinder. Die Väter hätten sich am liebsten selber auf die Maschine gesetzt“, amüsierte sich der Brudermeister. Alles habe sich gelohnt, der Einkauf des Holzes, die langen Vorbereitungen und die langen Nächte. Immerhin seien mehr als 800 Kinder und Schüler in die Lürbke gekommen und hätten sich das alte Handwerk, das das Sauerland so geprägt habe, angeschaut.

Peter Sander, ehemaliger König 2008 der St. Hubertus Schützenbruderschaft, hat mit seinen Bussen die Kinder jeweils für einen Euro hierhin und wieder zur Schule gefahren. „Wir machen das hier aus Tradition. Immerhin gab es früher auch Köhler hier im Dorf“, so erklärte Reinhold Schulte.

Genug Holz vorhanden

„Ich gehe davon aus, dass wir die Meilertage in fünf Jahren wieder durchführen werden. Öfter würden wir das allerdings nicht schaffen“, mit diesen Worten blickt der Brudermeister in die Zukunft. Auch der Köhler schaut ruhig in die Zukunft: „Heute gibt es wieder Holz genug, vor 200 Jahren waren die Sauerländer Berge kahl. Die frühe Industrie hatte das gesamte Holz verbraucht. So hat die Welt damals auch anders gerochen. Ein Meiler war schon von Weitem zu erschnuppern.“ Auch das war in den vergangenen Tagen in der Lürbke zu erfahren.