Mastjahr zum Trotz: Wildwald Voßwinkel sammelt Kastanien

Rotwild schätzt Naturkost wie Kastanien.
Rotwild schätzt Naturkost wie Kastanien.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Kastanien willkommen: Der Wildwald Voßwinkel kann sie gut gebrauchen. Das Rotwild schätzt die Naturkost. Sammler werden belohnt.

Menden/Neheim..  Wildfrüchte in Massen: Das Rotwild im Wildwald Voßwinkel freut sich drauf. Gerade Kastanien futtert es gern. Obwohl Südwestfalen gerade ein „Mastjahr“ erlebt, hat der Tierpark im nahen Neheim Bedarf an Kastanien.

„Ja, dieses Jahr ist tatsächlich ein Mastjahr“, erklärt Wildwald-Betriebsleiterin Anneli Noack. Ihr fällt auf, „dass sich solche Mastjahre häufen und in deutlich kürzeren Abständen auftreten“. Die Verkürzung des Mastjahr-Zyklus führt sie auf den Klimawandel mit seinen steigenden Durchschnittstemperaturen zurück. Die Fachfrau muss es wissen – sie ist diplomierte Forstingenieurin.

Energie fließt in die Früchte, nicht in den Stamm

Anneli Noack sieht Mastjahre zwiespältig: „Die Produktion dieser Masse an Früchten und Samen zehrt an den Kräften eines Baumes.“ Ihnen fehle am Ende Energie für das Höhen- und Dickenwachstum.

Doch Mastjahr hin, Wildfruchtfülle her – dem Wildwald mangelt es an Kastanien. „Weil diese Baumart in unserem Hirschrevier nur vereinzelt zu finden ist“, sagt Anneli Noack.

Gutscheine winken – und Freikarten

Kein Wunder, dass gesammelte Kastanien gern genommen werden. Während der Öffnungszeiten zwischen 9 und 17 Uhr können Kastanien-Sammler ihre Ausbeute mitbringen. Auf dem Gelände stehen Sammelbehälter bereit. Die Sammel-Leidenschaft wird belohnt. Gutscheine gibt’s. Bei größeren Mengen winken gar Freikarten. Die Sammel-Bereitschaft, gerade jüngerer Park-Besucher, ist über die Jahre hinweg gleichbleibend groß. „Dass unsere Besucher so motiviert Kastanien für unser Wild sammeln, begeistert mich jedes Jahr aufs Neue“, frohlockt die Tierpark-Chefin.

Was passiert mit den Kastanien? Anneli Noack: „Gesammelte Kastanien werden bei uns auf Rosten gelagert, damit sie nicht schimmeln oder faulen. Sie werden während der Wintermonate – zusätzlich zum Heu und zur Anwelk-Silage – als energiereicher Leckerbissen zugefüttert.“

Rot- und Damhirsche stärken sich

Welche Tiere langen zu? „Vor allem die nach der Brunft abgekämpften Rot- und Damhirsche freuen sich über das artgerechte, natürliche Zusatzfutter“, weiß die Forst-Expertin.

Wildschweine indes lassen Kastanien meist liegen. „Vermutlich“, sagt Anneli Noack, „sind es irgendwelche in den Früchten enthaltene Bitterstoffe, die dieser Wildart nicht schmecken.“ Daraus lässt jedoch nicht der Schluss ziehen, dass Schwarzwild Kastanien komplett meidet. Anneli Noack weiß auch, warum: „Wildschwein ist ein Allesfresser.“