Ludwig-Steil-Haus vor 40 Jahren eingeweiht. Ein guter Name für ein Haus Gottes

Das Ludwig-Steil-Haus im Lahrfeld hat Sonntag ein Jubiläum. Es ist genau 40 Jahre her, dass dieses Haus eingeweiht wurde. Darum wird am 12. April dort gefeiert.


Im Ludwig-Steil-Haus feiert die Evangelische Kirchengemeinde Menden seit vier Jahrzehnten Gottesdienste. Es treffen sich Gruppen und Kreise, Grundschülerinnen und -schüler feiern dort Gottesdienst, Konfirmandinnen und Konfirmanden vertiefen ihr Verständnis des christlichen Glaubens. Das Haus ist bekannt – aber wer ist sein Namensgeber?

Auch hier gibt es einen Jahrestag, wenngleich einen traurigen: Vor 70 Jahren, am 17. Januar 1945, starb in Dachau der Pfarrer, nach dem das Ludwig-Steil-Haus benannt ist. Er wurde nur 44 Jahre alt. Seine Pfarrstelle trat er nach seiner Ordination 1929 in dem Industriedorf Holsterhausen bei Herne an. Ein Gemeindeglied sagte später von ihm: „Pastor Steil passte zu uns, der war volkstümlich. Sein Lachen hörte man schon von weitem. Er konnte ausgesprochen lustig sein.“ Im November 1933 heiratete Ludwig Steil Gusti Ederhof. Es wurde keine bequeme Zeit, kein idyllisches Pfarrhaus. Bald wurden zum ersten Mal die Fensterscheiben bei ihnen zuhause eingeworfen.

Der Machtkampf um Kirche und Bekenntnis war in Holsterhausen und im Kirchenkreis Herne – wie überall in Deutschland – entbrannt. Die „Glaubensbewegung Deutscher Christen“ propagierte die Anpassung der evangelischen Kirche an die Nazi-Ideologie mit den Elementen des „Führerprinzips“ , mit der Volkstums- und Rassenideologie.


Sie lehrten, der deutsche Mensch sei von Natur aus gut, die Lehre von Sünde und Gnade sei seiner unwürdig. Der Tod Christi für unsere Schuld sei unnötig. Das Alte Testament als „Judenbuch“ wurde leidenschaftlich abgelehnt und verunglimpft. Helden kommen dort ja auch nicht vor, sondern sehr fehlerhafte Menschen, mit denen Gott zu tun haben will. Für Ludwig Steil war die Anpassung der Kirche an die Prinzipien des Staates, war diese „Gleichschaltung“ unvorstellbar. Er war Gegner dieser Ideologie. Und seine Gemeinde stand hinter ihm. Schon an dem sogenannten „Bochumer Pfingstbekenntnis“ von 1933 war er maßgeblich beteiligt. 45 westfälische Pfarrer bekannten sich darin zu Jesus Christus als Sohn des lebendigen Gottes, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der Ausschluss von getauften Juden aus der Kirche wurde verurteilt und die Rasselehre kritisiert. Schließlich ist Jesus selbst Jude.


Ab 1934 gehörte Ludwig Steil gemeinsam mit Dietrich Bonhoeffer zum Führungskreis der Bekennenden Kirche, der Oppositionskirche gegen das NS-Regime. Seine Frau Gusti Steil schreibt: „In der ersten Zeit des Dritten Reiches habe ich ein einziges Mal meinen Mann erschüttert gesehen. Er war einige Tage auffallend still im Gegensatz zu seinem sonst so unverwüstlich freudigen Wesen. Und dann erzählte er mit kurzen Worten, dass er über deutsche Konzentrationslager einiges gehört habe, was ihm geradezu den Schlaf raube. Wiedergeben könne er es nicht, nur einige Andeutungen kamen zögernd über seine Lippen: Jeder Wachtposten darf Häftlinge erschießen, ohne dass er zur Rechenschaft gezogen wird ... Die beliebteste Todesart ist das Aufhängen ... Man hängt wohl auch einen Häftling ein paar Stunden am Fensterkreuz auf, die Hände auf dem Rücken gebunden ...“


1938 liefen beim Sondergericht in Dortmund fünf Verfahren gegen Ludwig Steil, die Anklage lautete stets „heimtückische Angriffe auf Staat und Partei“. Man denunzierte, überwachte und verunglimpfte Ludwig Steil. Immer wieder erhielt er von der Gestapo Vorladungen, seine Predigten wurden bespitzelt, Mitschriften angefertigt. Während sich die Evangelische Kirche im Nationalsozialismus zu einem großen Teil vereinnahmen ließ, protestierte Pfarrer Steil gegen die Tötung Behinderter. Er klagte den Krieg und die Vernichtung der Juden an. Seine Frau sagte zu ihm: „Wenn sie dich mal holen, wissen wir jedenfalls, dass die Kirche mehr durch ihr Schweigen gesündigt hat als durch ihr Reden.“


Am Nachmittag des 11. September 1944 wurde er von der Gestapo in die Steinwache nach Dortmund gebracht. Am 5. Dezember begann der Transport ins KZ Dachau, der zu einer dreiwöchigen Tortur werden sollte. Erschöpft und krank kam Ludwig Steil dort an, es war ein Tag vor Heilig Abend. Am Eingangstor wurde den Gefangenen durch die SS erklärt, dass sie nun rechtlos, ehrlos und wehrlos seien. Dann hagelte es Schläge und Beschimpfungen auf die erschöpften und kranken Neuankömmlinge. Doch in der Aufnahmebaracke hielt er die Weihnachtspredigt. Steil wurde dann mit Typhusverdacht in eine Krankenbaracke verlegt. Noch aus der Krankenbaracke in Dachau heraus hatte Ludwig Steil eine Postkarte an seine Frau geschrieben. Dieses letzte bekannte Zeugnis des Pfarrers endete mit den Worten: „Wie werden Gottes Wege mit uns weitergehen? Am Ende steht immer Er selbst.“