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Lebensborn e.V.: Keine "Zuchtstation" der Nazis

10.04.2010 | 11:00 Uhr
Lebensborn e.V.: Keine "Zuchtstation" der Nazis

Menden. Es ist ein vergleichsweise junges Feld der Geschichtsforschung, das durch den 65. Jahrestag des Kriegsendes derzeit einen besonders aktuellen Bezug erhält: Viele Lebensborn-Kinder haben jahrzehntelang aus Scham geschwiegen.

Eine Ausstellung im Rathaus erzählt jetzt die Geschichte der Nazi-Einrichtung.

Die Ausstellung hat den „Lebensborn e.V.” zum Thema, einen von den Nazis gegründeten Verein, der anonyme Entbindung von Kindern lediger Mütter organisierte, damit anschließend vorzugsweise SS-Angehörige die „arischen” Neugeborenen adoptieren konnte. Aber auch ranghohe SS-Familien brachten in den Einrichtungen ihre Kinder zur Welt.

Zur gestrigen Ausstellungseröffnung waren zahlreiche Experten angereist. Dr. Georg Lilienthal, Historiker, hält die Ausstellung in Menden für herausragend. Denn noch immer ist das Thema in der breiten Bevölkerung relativ unbekannt.

„Der Mythos vom Lebensborn als Zuchtanstalt der arisch-nordischen Rasse hält sich”, sagte Lilienthal. Doch der Verein sei stattdessen vielmehr das Ergebnis nationalsozialistischer Rassenideologie gewesen. Hitler und Himmler hätten die Situation schwangerer, lediger Frauen für ihre rassenpolitischen Zwecke ausgenutzt. Etwa 8 000 Kinder sind laut Forschung in den neun Entbindungsheimen zur Welt gekommen.

Welche psychischen Folgen das Vorgehen der Nazis für die betroffenen Kinder hatte, das schilderte die Zeitzeugin Ingeborg Schinke eindrucksvoll. Die Mendenerin wurde 1940 im Lebensbornheim Wernigerode im Harz geboren, lebte zunächst im Heim und wurde dann in eine Pflegestelle vermittelt, bevor sie mit ihrer Mutter nach Iserlohn zog. „Ich war ein ungewolltes Kind und spürte den Hass, den das Regime ausgeübt hatte”, berichtete Schinke bei der Eröffnung und appellierte an die Jugend: „Werfen Sie Ihre Kinder nicht weg, geben Sie Ihnen die Liebe und Geborgenheit, die uns Lebensborn-Kindern verwehrt blieb.”

Ihr mutiger Erlebnisbericht vermittelte den 50 Besuchern besonders beeindruckend und unmittelbar das Schicksal der Lebensborn-Kinder. Die Stellwände im Rathausfoyer liefern Interessierten die Fakten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April zu sehen (während der Rathaus-Öffnungszeiten).

Pia Maranca

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