„Lass uns ruhig schlafen . . .und unseren kranken Nachbarn auch“

Wer kennt es denn nicht, das Abendlied von Matthias Claudius, besser noch bekannt unter der Überschrift „Der Mond ist aufgegangen“. Es wurde an die dreißig Mal vertont und gehört zu den bekanntesten Volksliedern. Was macht dieses Lied so berühmt, und wer war der Mann, an dessen 200. Todestag wir uns in der vergangenen Woche erinnert haben?


Das Lied, das eigentlich mehr ist als ein Lied, macht so Manches von der Wesensart des Pastorensohns M. Claudius offenbar. 1779 erscheint es im „Musenalmanach“ und wird bald darauf von J.G. Herder in seine berühmte Sammlung der „Volkslieder 2. Teil“ aufgenommen. Dem Theologen, Juristen, Redakteur und Journalist, M.Claudius, der zu der Zeit in Wandsbeck, einem Vorort von Hamburg, zusammen mit seiner Frau Rebecca und den acht Kindern wohnte und arbeitete, gelingt es gleich in der ersten Strophe ein Bild der Abendstimmung zu zeichnen:

„Der Mond ist aufgegangen/die goldenen Sternlein prangen/am Himmel hell und klar./Der Wald steht schwarz und schweiget/ und aus den Wiesen steiget/ der weiße Nebel wunderbar.“

Der aufgehende Mond, die Sterne bekommen etwas Märchenhaftes. Der weiße Nebel über den Wiesen, die schwarze Zeile des Waldes verstärken diese Stimmung. Wer das hört oder liest fühlt sich hineingenommen in ein Stück Welt des Abendfriedens, auch wenn ein Städter es heute noch kaum so erfährt. Es geht noch weiter in der fast romantischen Stimmung:

„Wie ist die Welt so stille/ und in der Dämmrung Hülle/ so traulich und so hold/als eine stille Kammer/ wo ihr des Tages Jammer/ verschlafen und vergessen sollt“.

Die Abenddämmerung, der Übergang zwischen Tag und Nacht, wird als eine besondere Zeit beschrieben. Traulich und hold nennt Claudius die Zeit der Dämmerung. Er vergleicht sie mit „einer stillen Kammer“, wo wir des „Tages Jammer“ – heute würden wir es Stress nennen – vergessen sollen. Was hätten wir denn für einen großen Gewinn, wenn wir dem so folgen würden! Die nächsten Verse bringen zum einen Claudius’ tiefes Gottvertrauen und zum andern seine Auseinandersetzung mit einer sich absolut setzenden Aufklärung zum Ausdruck. Die letzten drei der insgesamt 7 Strophen sind nicht anders als Gebete, bzw. Bitten, die sich auf einen frommen Lebenswandel auf Erden beziehen, auf einen sanften Tod und auf einen ruhigen Schlaf für uns und unseren Nächsten:


„So legt euch denn ihr Brüder/in Gottes Namen nieder/kalt ist der Abendhauch./verschon uns Gott mit Strafen/und lass uns ruhig schlafen/und unseren kranken Nachbarn auch“.

Dieser letzte Vers hat mit beigetragen zur Berühmtheit des Herausgebers des „Wandsbecker Boten“ Matthias Claudius. Die Worte überwinden nicht nur den oft schäbigen Graben zwischen Kirche und Welt, sie sind in ihrer Einfachheit ganz bei dem Nächsten, dem Menschen mit dem wir es zu tun haben. Sie wollen ihm nicht nur Ruhe, sondern auch die Bewahrung Gottes zukommen lassen. . .

In diesem Sinne wünscht einen schönen und besinnlichen Sonntag,