Kuriose Lösung – eine einzige Biotonne für die ganze Stadt Menden

Die Biotonne ist fast flächendeckend in NRW eingeführt.
Die Biotonne ist fast flächendeckend in NRW eingeführt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Märkische Kreis setzt die neue Pflicht zur getrennten Sammlung von Bioabfall auf ungewöhnliche Art und Weise um. Menden bekommt eine einzige Tonne für alle Bürger.

Menden..  Restmüll in die graue Tonne – Eierschalen und Knochen in die braune Tonne: Was im Rest von NRW längst Standard ist, wird’s in Menden auf absehbare Zeit nicht geben. Die Stadt Menden und der Märkische Kreis erfüllen die seit Jahresanfang geltende Pflicht zur Sammlung von Bioabfällen mit einer Minimalversion. Der Erfolg des Modells steht in Frage.

Tonne steht auf dem Bringhof

Statt einer Tonne für jeden Haushalt wird die Abfallentsorgungsgesellschaft ab Mitte Januar einen großen Gemeinschafts-Container für ganz Menden auf dem Bringhof am Hönnenwerth aufstellen. In der Praxis soll es so aussehen, dass die Mendener künftig faule Eier, Kartoffelschalen und Knochenreste fleißig zu Hause sammeln, sie später zum Bringhof fahren und dort in den Container werfen.

Dass wohl nur die wenigsten Mendener tatsächlich auf das Angebot eingehen werden, gilt selbst bei den Verantwortlichen als sicher. Der zuständige Märkische Kreis geht in seiner Schätzung davon aus, dass jährlich nur etwa 13 Tonnen Biomüll im Bringhof zusammenkommen. Die Zielvorgabe von etwa 8100 Tonnen getrennt gesammeltem Biomüll im Jahr dürfte Menden damit weit verfehlen.

„Die Stadt Menden hat keine eigene Biotonne gewollt“, sagt Kreissprecher Hendrik Klein. Der Märkische Kreis komme jetzt der Sammelpflicht nach, indem er die Gemeinschaftstonne aufstelle. Er gehe davon aus, dass der Kreis mit der Minimalversion die Vorgaben des Bundesgesetzes für Kreislaufwirtschaft erfülle: „Wir handeln immer nach Recht und Gesetz.“

Kreis bleibt große Ausnahme

Menden verweist seinerseits an den Kreis. Es habe keine Anfrage gegeben, sagt Stadtsprecher Manfred Bardtke. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Kreis kaum auf Biomüll in der Restmülltonne verzichten kann. Nur so kann die vereinbarte Menge für das Müllheizkraftwerk in Iserlohn erreicht werden. Führte der Kreis flächendeckend eine Biotonne ein, dürfte das beim Restmüll wohl keinen Cent sparen.

Theoretisch sollte jeder Mendener Einwohner nach einer Zielvorgabe des Landes bis zum Jahr 2021 jährlich 150 Kilo Biomüll getrennt vom restlichen Abfall sammeln. Von der Menge sei man allerdings auch gar nicht so weit entfernt, sagt Zweckverbands-Geschäftsführer Bernd Meininghaus. Er rechnet den Abfall aus den Grünschnitt-Containern mit in die Zielvorgabe ein. Bei der Entsorgung der Gartenabfälle war Menden besonders fleißig. Jeder Einwohner sammelte im Jahr 2014 im Schnitt 120 Kilo Grün-Abfall. „Das ist schon eine ganz erkleckliche Summe“, sagt Meininghaus.

Bis auf Lüdenscheid und Neuenrade wehren sich 13 der 15 Städte und Gemeinden im Kreis gegen die Biotonne. Bis zum vergangenen Jahr hatten schon 340 der etwa 400 Städte und Landkreise in NRW eine Biotonne eingeführt – Tendenz steigend.