Kopftuch als Hindernis für die berufliche Integration

Menden..  „Wie sieht die Integration türkischstämmiger deutscher Muslime aus, und wie können andere davon lernen?“ – Dieser Frage gingen die Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs bei einem Besuch der Fatih- Camii-Moschee in Werl und einem Besuch bei dem Unternehmer Ibrahim Demir nach.

Die Schüler fühlten sich in der kleinen, 1989 im osmanischen Stil erbauten Moschee sofort wohl, wozu auch die gut funktionierende Fußbodenheizung beitrug. Begrüßt wurden sie von der Integrationsbeauftragten der Moschee. Die Schüler saßen im Kreis auf dem Boden. In dieser Runde berichtete sie über ihre eigene Erfahrung als Muslima und darüber, dass in ihrer beruflichen Laufbahn das Kopftuch ein Hindernis der Integration gewesen sei. Sie habe sich oft ausgegrenzt gefühlt. ,,Ich bin gelernte Sprechstundenhilfe und Arztsekretärin. Einen Job hätte ich nur bekommen, wenn ich mein Kopftuch während der Arbeit abgelegt hätte. Das aber hätte ich niemals getan“, so die Integrationsbeauftragte.

Sie scheute sich nicht mit sehr drastischen Ausdrücken zu beschreiben, wie halbnackte Frauen in der Werbung eingesetzt würden. Der demographische Wandel habe aber möglich gemacht, dass sie jetzt Deutschkurse bei der Caritas gebe.

Dentaltechniker rät zur Vernetzung

Anschließend besuchten die Schüler den türkischstämmigen Unternehmer Ibrahim Demir, der sie in seine Firma, die Dentaltechnik vertreibt, einlud. Er erzählte von seinem erfolgreichen beruflichen Werdegang, der anfangs nicht immer ganz geradlinig verlaufen sei. Sein wichtigster Rat war: „Ständig nach neuen Lösungen suchen, sich jeden Tag den Herausforderungen stellen, Netzwerke entwickeln und pflegen.“ Jeder Mensch könne ein möglicher neuer Geschäftspartner sein. Deshalb dürfe man niemals im Streit auseinandergehen.

Er erklärte, wie viel er durch Rhetorikkurse dazugelernt habe und wie wichtig die Körpersprache sei. Er bot an, nach Menden zu kommen und einen solchen Kurs für das Varnhagen-Kolleg abzuhalten.

Der Besuch bei ihm endete trotz gelungener Integration doch auf ganz türkische Weise: Es gab von der Frau des Hauses handgemachtes türkisches Gebäck und Tee.