Konto der toten Mutter angezapft

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Menden.. Er hatte erst kurz zuvor beim Notar den Verzicht auf sein Erbe erklärt. Und dann doch: Als seine Mutter gerade verstorben war, versuchte ein 52-Jähriger mehr als 10 000 Euro von deren Konto abzuheben. Weil das nicht die erste Missetat des Angeklagten war, schickt ihn Richter Festersen nun für fünf Monate in Haft.

Es ist nicht so, dass ihn seine Mutter nicht schon großzügig bedacht hatte in den vergangenen Jahren. Größere Summen hatte sie immer wieder ihrem Sohn gegeben – obwohl dessen Leben alles andere als vorbildlich verlaufen ist: Seit Anfang der 80-er Jahre reiht sich Verurteilung an Verurteilung. Trunkenheitsfahrten, Diebstahl, Betrug – und dass der Alkohol bei dem gelernten Einzelhandelskaufmann immer eine wenig rühmliche Rolle spielte, das wird aus diesen Vorstrafen deutlich. Das dürfte wohl auch der Grund gewesen sein, warum die Mutter im Juni vergangenen Jahres einen Schlussstrich beim Notar gezogen hatte: Die Schwester des Angeklagten wurde zur Alleinerbin eingesetzt, der 52-Jährige stimmte dem auch zu.

Dann starb die Mutter überraschend schnell bereits im Oktober 2010. Doch an seinen Erb-Verzicht erinnerte er sich danach offensichtlich nicht mehr. Am 27. Dezember warf er bei einer Bankfiliale an der Unnaer Straße zwei Überweisungsträger mit der gefälschten Unterschrift seiner verstorbenen Mutter ein: 4400 Euro sollten demnach an einen Nürnberger Inkassodienst fließen, 6000 Euro auf sein eigenes Konto.

Doch daraus wurde nichts: Auf dem Konto war nicht mehr so viel Geld, die Bank wurde misstrauisch. Wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung musste er sich vor Gericht verantworten. Die Tat an sich räumte er auch schnell ein, ein richtiges Unrechtsbewusstsein legte er jedoch nicht an den Tag.

Auto ohne Führerschein

„Meine Mutter hatte mir noch ein unbelastetes Auto versprochen und eine Laserbehandlung für meine Augen – die hatte sie meiner Schwester ja auch bezahlt“, verteidigte er sich. Einen Beweis für diesen angeblichen Willensschwenk der Mutter nach dem Notartermin vom Juni gab es aber nicht. Richter Jens-Christian Festersen sah dann auch keinerlei entlastende Gründe. Im Gegenteil: Er kreidete dem Angeklagten an, dass er den Versuchsbetrug begangen habe, als er gerade erst in anderer Sache in Iserlohn eine Bewährungsstrafe erhalten hatte.

Für Festersen – der der nicht im Ruf steht, schnell die dicke Strafkeule zu schwingen – war schon die damalige Bewährung durch seine Richterkollegen „völlig unverständlich“. Folgerichtig verurteilte er ihn auch -- wie von der Staatsanwaltschaft gefordert – zu fünf Monaten Haft. Die Iserlohner Strafe dürfte zudem noch wegen des drohenden Bewährungswiderrufs oben drauf kommen.

Was allgemeines Kopfschütteln auslöste: Die 4400 Euro, die er ergaunern wollte, sollten für ein Auto bestimmt sein. Und das, obwohl der Angeklagte wegen seiner Trunkenheitsfahrten keinen Führerschein mehr hat – und wohl auch schwer wieder einen bekommen dürfte.