Kommen gleich zwei Gemeinschaftsschulen ?
25.01.2011 | 22:31 Uhr 2011-01-25T22:31:00+0100
Menden/Lendringsen.Die politische Mehrheit für die Einführung einer Gemeinschaftsschule in Lendringsen im Jahr 2012 ist schon jetzt sicher: Sowohl die CDU als auch die GAL haben sich dafür entschieden. Die CDU geht aber noch weiter: Wenn das Elterninteresse groß ist, soll zeitgleich eine zweite Gemeinschaftsschule auf der Platte Heide eingerichtet werden.
Dass die Grün-Alternativen für die Schaffung einer Gemeinschaftsschule votieren werden, ist keine Überraschung. Mendens CDU hingegen vollzieht einen großen Schritt – und der ist parteiintern nicht unumstritten.
Zweieinhalb Stunden wurde intensiv in einer erweiterten Fraktionssitzung diskutiert und am Ende auch abgestimmt. Teilnehmer waren nicht nur die Ratsmitglieder, sondern auch die sachkundigen Bürger sowie Vertreter der verschiedenen Ortsunionen und der Parteigliederungen (Seniorenunion, Junge Union Frauenunion).
Am Ende war das Votum für die Gemeinschaftsschule(n) bei sechs Nein-Stimmen eindeutig, aber es gab nach WP-Informationen auch parteiintern gewichtige Gegenstimmen. Etwa vom Mendener Ortsunionsvorsitzenden Peter Maywald, vom Seniorenunion-Vorsitzenden Prof. Horst Pieper und vom Junge-Union-Vorsitzenden Matthias Eggers. Die Mehrheit steht laut Fraktionschef Martin Wächter aber zu der „pragmatischen Neuorganisation“ bei den weiterführenden Schulen: „Wir sehen die Gemeinschaftsschule als Erweiterung des bestehenden Angebots.“
Der Beschluss der CDU :
1. Die Mendener Hauptschulen (Gelber Morgen und Bonifatius Platte Heide) sollen einen Verbund bilden – mit der Bonifatiusschule Platte Heide als Stammschule.
2. Zur Einführung der Gemeinschaftsschule in Lendringsen 2012 soll es eine Befragung aller Eltern im Stadtgebiet geben, deren Kinder in die dritten und vierten Klassen gehen. Die Gemeinschaftsschule in Lendringsen soll keinen gymnasialen Zweig erhalten und auf drei Eingangsklassen (69 Schüler) beschränkt werden.
3. Sollte die Befragung ergeben, dass es für mehr als die drei Eingangsklassen in Lendringsen Bedarf gibt, dann soll nach Willen der CDU zeitgleich eine Gemeinschaftsschule auf der Platte Heide eingerichtet werden. Da die Hauptschule Bösperde sowohl nach CDU- als auch GAL-Meinung geschlossen werden soll, hätte Menden keine Hauptschule mehr.
Den Antrag, gleich einen „Doppelbeschluss“ für eine mögliche zweite Gemeinschaftsschule auf der Platte Heide zu fassen, kam nach WP-Informationen erst in der Sitzung von Mendens Ortsunions-Vorsitzendem Peter Maywald. Hintergrund: In Menden hat man wohl Angst vor einer Sogwirkung Richtung Lendringsen.
Doris Rosenthal-Rehbein, die Schul-Expertin der GAL, sagte gestern der WP: „Wir würden sicherlich auch eine zweite Gemeinschaftsschule mittragen. Ob es aber die Bonifatiusschule sein sollte, haben wir noch nicht beraten.“ Zunächst einmal begrüße man aber die Entscheidung der CDU. „Wichtig ist die Botschaft, dass die Eltern ihre Kinder jetzt unbesorgt an der Haupt- und der Realschule in Lendringsen anmelden können“, so Rosenthal-Rehbein. Sie würden dann automatisch ab 2012 in die neue Gemeinschaftsschule integriert.
01:08
Alle Kinder verdienen die gleichen Chancen!
11:42
Jetzt ist es also soweit,
die Büchse der Pandorra ist offen!
Nachdem nun also auch die CDU-Fraktion, entgegen der ursprünglichen Beschlüsse der Partei, auf das rot/rot/grüne Schulmodell einschwenkt, wird sich die Schullandschaft in Menden in den nächsten Jahren drastisch verändern.
Ich möchte an dieser Stelle mal eine Vermutung äußern, wie unsere Schulen in fünf bis zehn Jahren aufgestellt sein könnten:
1.
In Lendringsen werden wir eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialen Zweig bekommen. Dies wird alleine schon auf Grund der Bürgerstimmen der Lendringser geschehen.
2.
Als direkte Folge von Punkt 1 werden wir eines der drei mendener Gymnasien verlieren. Die Schülerzahlen werden ja leider in den nächsten Jahren nicht steigen. Ich tippe an dieser Stelle auf das Walram.
3.
Auf Grund des größeren Zulaufes auf WBG und HGG wird das WBG als private Schule eine Schulgebühr einführen. Wenigstens ist hiermit die Möglichkeit vom Tisch, dass der Orden das WBG aus finanziellen Gründen irgendwann fallen lassen könnte.
4.
Hauptschulen sind in Menden von der Bühne verschwunden. Die Schüler, die vorher in dieser Schulform aufgenommen wurden, werden nun in den verbleibenden Realschulen ihr Glück versuchen. Immerhin haben die Schüler hier die Möglichkeit auf einen höherwertigen Schulabschluß, auch wenn sie hierfür keine Eignung aufweisen.
5.
Die ehemals als Realschüler eingeschulten Kinder werden nun auf die Gemeinschaftsschulen wechseln. Denn zumindest in Lendringsen wird über kurz oder lang die Chance auf einen gymnasialen Zweig bestehen. Auch hier wird sich die Frage der Eingangsqualifikation stellen.
Natürlich sind das bis hierhin nur Vermutungen, aber jeder der einigermaßen klar denken kann wird feststellen, dass das Schulsystem in Menden durch diese Maßnahmen in jedem Fall an Qualität verlieren wird.
Für mich ist es ein absolutes Unding, wie die CDU-Fraktion sich gegen die Beschlüsse der CDU-Partei stellen kann und so einen Blödsinn beschließen und mittragen kann.
Meinen hohen Respekt für die Herren Maywald, Pieper und Eggers, dafür dass sie sich, auch auf verlorenen Posten, dieser Entscheidung entgegestemmen. Es ist in der heutigen Zeit in Menden bestimmt nicht leicht, seinen Namen in Verbindung mit einer einsamen politischen Entscheidung, in die Öffentlichkeit zu tragen.
Weiter so!