Kleine Zoe lässt dicke Corvette alt aussehen

Menden..  Als wir an der B 7 vor der „Bauernstube“ wenden, hänge ich mich ausgerechnet an eine Corvette: schwarz glänzend, flach wie eine Flunder, ein echter Hingucker, ein tolles Auto – hätte ich früher gesagt. Jetzt könnte auch ein Brontosaurus vor mir hertapsen: Angeberische Verbrenner wie die bullige Corvette sind eine aussterbende Spezies. Die automobile Zukunft gehört definitiv bescheidenen Stromern wie „Zoe“. In diesem Elektro-Kleinwagen habe ich mich laut- und mühelos hinter den dröhnenden Boliden gesetzt: Im Anzug sind Elektroautos unfassbar schnell.

Der Start zur Sonntags-Spritztour durch den Mendener Herbst erfolgt vor der neuen Bushaltestelle am Nordwall, direkt vorm WP-Leserladen. Da, wo unser Schnellzeichner Arnd Hawlina witzige Porträts von Herbst-Besuchern fertigt, stellen die Stadtwerke ihre Steckdosen-Autos für Testfahrten bereit. Mehr Präsentierteller geht nicht – erst recht für einen wie mich, der noch nie einen E-Flitzer gesteuert hat. Also los! Ich muss den Führerschein zeigen, eine Unterschrift leisten, und unter fachkundiger Begleitung von Stadtwerke-Copilot Tobias Bulitta geht’s los.

Lassen wir mal weg, dass die kleine „Zoe“ von Renault auf ihrem Clio-Fahrgestell neu 22 Mille kostet, fast doppelt so viel wie der Verbrenner: Das beinahe lautlose Fahren ist einzigartig futuristisch. Zoe nimmt mühelos sogar das Steilstück bei Ivo. Und nach dem Gerumpel durchs Lahrfeld ist auf der glatten Bundesstraße ihr leise singender Ton zu hören. Mit dem Tempo steigt er auf und ab – Zoe klingt wie ein Sternenjäger aus „Star Wars“.

Am Ende ein gutes Gefühl

Nach jeder Automatikfahrt gibt ihr Computer einen Streckenreport ab: Neben Durchschnitts- und Gesamtverbrauch in Kilowatt steht da auch der Klimawert. Beim Aussteigen ergibt das ein gutes Gefühl, auch wenn der Strom nicht nur aus der Steckdose kommt. „Lokal emissionsfrei“ nennt sich das. Wenn aber erst der größte Teil unserer Energieversorgung aus den „Erneuerbaren“ kommt, wäre tatsächlich ein völlig abgas- und klimaneutrales Fahren möglich. Welch ein Vision!

Zudem ist im Nachfolger meiner Zoe die Reichweite bereits mehr als verdoppelt: Hätte ich nach 140 bis 180 Kilometern an die Steckdose gemusst, nennt der Hersteller jetzt 410 Kilometer bis zur nächsten „Tankfüllung“. Das hört sich schon besser an. Und fährt eine Corvette nicht von Tankstelle zu Tankstelle?

Stadtwerke-Chef Bernd Reichelt ist indes wichtig: Die neue Mobilität erstreckt sich nicht nur auf Autos. So waren der „Mobility-Meile“ noch viele versammelt, die als E-Team auftraten: Klimamanager Michael Bush, die VHS, Radhändler Guido Dünnebacke sowie Franz-Josef Knur und Karsten Obrikat vom Radclub ADFC.