„Kirchenasyl: kritische Anfrage ans Asylrecht“

Der Vortragende Pfarrer Helge Hohmann ist landeskirchlicher Beauftragter für Zuwanderungsarbeit (Haus Villigst). Er war langjähriger früherer Pfarrer in der Landesstelle Unna-Massen.
Der Vortragende Pfarrer Helge Hohmann ist landeskirchlicher Beauftragter für Zuwanderungsarbeit (Haus Villigst). Er war langjähriger früherer Pfarrer in der Landesstelle Unna-Massen.
Foto: Silvia Rinke
Was wir bereits wissen
Es ist ein Akt der Nächstenliebe und zugleich historisches Novum. Erstmals in ihrer Geschichte gewährt die Evangelische Kirchengemeinde Menden seit dem 2. Mai einem Menschen Kirchenasyl.

Menden.. Achmed A., ein junger Syrer, reiste über den Landweg nach Europa und wurde zuerst in Ungarn registriert. Dorthin soll er nun abgeschoben werden – in einen EU-Staat, der gleichwohl Flüchtlinge ins Gefängnis steckt – einfach, weil keine Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden und auch keine vorgesehen sind. „In Polen, Bulgarien, der Türkei vor allem sieht es nicht besser aus“, unterstrich Pfarrer Helge Hohmann. Der landeskirchliche Beauftragter für Zuwanderungsarbeit im Haus Villigst in Schwerte war am Dienstagabend im Bodelschwinghhaus zu Gast.

Kirchenasyl in Verfassung zugebilligt

Und er bestätigte die Gemeinde in ihrem Tun: „Kirchenasyl bewegt sich nicht im rechtsfreien Raum. Es ist den Kirchen in der Verfassung zugebilligt.“ Aber gleichzeitig, räumte Helge Hohmann ein, stelle jedes Kirchenasyl natürlich „eine kritische Anfrage ans geltende Asylrecht“. Eine Aktion wie die der Kirchengemeinde Menden stellt das Asylrecht zwingend in Frage.

22 Kirchenasyle gibt es derzeit im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie alle fußen auf der Verfassung, betonte Hohmann, sowie auf dem kirchlichen Selbstverständnis, Hilfebedürftigen Hilfe und Schutzbedürftigen Schutz zu gewähren. Pfarrer Helge Hohmann hat als früherer Pfarrer in der Landesstelle Unna-Massen viele Jahre praktische Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit gesammelt. Er kennt die Ressentiments, die proportional zu den Flüchtlingsströmen unaufhaltsam auch in der Mitte der Bevölkerung wachsen. Und er sagte offen zu seinen aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern im Bodelschwinghsaal – die meisten von ihnen aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert: „Wer sich wie Sie für Flüchtlinge einsetzt, muss mit Gegenwind rechnen.“

Gegenwind manifestiert sich aktuell in einer massiv anschwellenden Fremdenfeindlichkeit, die auch vor körperlicher Gewalt nicht Halt macht. „2013: 55 rechtsextreme Taten in Deutschland, 2014: 170. Und viele gegen Flüchtlinge“, nannte Hohmann Zahlen, die alarmierend wirken.

Flüchtlingshilfe nicht verhandelbar

Für die Kirche, machte der Pfarrer klar, ist Flüchtlingshilfe generell nicht verhandelbar. „Barmherzigkeit gegenüber Fremden ist ein Wesensmerkmal christlicher Existenz: Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben.“ Jesu Worte im Markus-Evangelium.