Kinder teurer, Mütter billiger
10.02.2012 | 18:13 Uhr 2012-02-10T18:13:00+0100
Menden.Kinderreiche Familien und Tagesmütter könnten die Leidtragenden des städtischen Sparkurses im Bereich der Kinderbetreuung werden.
Die Stadtverwaltung schlägt vor, den Tagesmüttern ihren Stundenlohn um 20 Prozent zu kürzen. Parallel dazu sollen die Elternbeiträge steigen und Vergünstigungen für Familien mit mehreren Kindern wegfallen.
Fachbereichsleiter Dieter Michel legt der Politik jetzt drei Alternativmodelle vor, wie das System der Elternbeiträge künftig aussehen könnte. Die soziale Staffelung der Beiträge nach Haushaltseinkommen bleibt grundsätzlich erhalten. Das heißt: Wer viel verdient, zahlt höhere Beiträge. In allen drei vorgeschlagenen Varianten gibt es aber keine Beitragsbefreiung mehr für Familien mit drei oder mehr minderjährigen Kindern und geringem Haushaltseinkommen. Die Erhöhung der Elternbeiträge liegt je nach Modellvariante bei plus 12 bis 30 Prozent. Für Geschwisterkinder reicht die Bandbreite der Vorschläge von „gar kein Beitrag“ über „halber Beitrag“ bis hin zu „voller Beitrag“.
Mit jeder der drei Varianten, so erklärt Michel, würden die Einnahmen der Stadt aus Elternbeiträgen um 300 000 Euro steigen. Diese Summe war vom Rat im Dezember als Zielmarke ausgegeben worden. Michel schränkt allerdings ein, dass sämtliche Zahlen geschätzt sind. Denn die Änderungen können frühestens zum nächsten Kindergartenjahr 2012/2013 umgesetzt werden – und erst dann steht auch tatsächlich fest, wie viele Kinder die Kitas besuchen und wie das Haushaltseinkommen der Eltern ist.
Während die Stadt mit Hilfe der veränderten Beitragsordnung mehr Geld einnehmen will, soll sie für Tagesmütter weniger ausgeben. Bislang erhielten Tagespflegepersonen – das sind in der Regel Frauen – 5 Euro pro Stunde und betreutem Kind, sofern sie einen zertifizierten Kurs für Kindertagespflege absolviert haben. Zum 1. Januar 2013 soll der Stundensatz nun auf 4 Euro gesenkt werden. „Durch die Senkung der Stundensätze reduzieren sich die Kosten der Tagespflege um rund 57 000 Euro“, so die Verwaltung.
Protestiert hat dagegen der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Er ist in Menden Träger der Tagespflege und hält den gesenkten Stundensatz für zu niedrig. Die SkF-Vorsitzende Heidemarie Gantenbrink warnt davor, dass bewährte Tagesmütter bei einer quasi Lohnkürzung um 20 Prozent die Arbeit aufgeben würden. Allein die Ankündigung habe schon dazu geführt, „dass zehn Tagespflegepersonen mit ca. 30 Pflegekindern schriftlich angekündigt haben, nicht mehr als Tagesmutter arbeiten zu wollen“. Die Stadt Menden benötigt aber noch viel mehr Tagesmütter. Für das Jahr 2013 sind 90 Tagespflegeplätze angestrebt – erst die Hälfte davon existiert.
Kompromissvorschlag des SkF: Bei einem generellen Stundensatz von 4 Euro erhalten Tagesmütter mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung 5 Euro. Davon würden laut Stadtverwaltung 21 der aktuell 31 Tagesmütter profitieren. Die städtischen Mehreinnahmen sänken auf 15 000 Euro pro Jahr.
11:01
@ ghkornblume: kann mich dem nur anschließen!
Wir haben selbst 2 Kinder und fragen uns manchmal warum man in Menden auch noch dafür "bestraft" wird das man hier seine Steuern zahlt und seine Kinder in die Tageseinrichtung schickt! Ich finde es einfach nur unverschämt schon wieder die Kiga Beiträge erhöhen zu wollen obwohl Sie im letzten Jahr erst gestiegen sind! Da braucht man sich nicht zu wundern das die Geburtenrate in Menden zurückgeht. Der Rat sollte lieber mal darüber beraten, was man für die ganzen kleinen Mendener gutes tun kann anstatt immer noch an Ihnen verdienen zu wollen!!!!
09:56
Kann es denn richtig sein ,das die Stadt an sozialen Projekten spart und dabei nicht mitbekommt das junge Leute mit kleinen Kindern sowieso rar sind.Ich lebe in Menden und bemerke, das immer weniger für die jungen Familien getan wird.Wenn jetzt auch noch die Kürzungen der Tagesmütter und die Verteuerung der anderen Familien ansteht ,ziehen die Familien ins benachbarte Fröndenberg,denn da sind die Tagesstättenpreise noch moderat.Ja,ich glaube Menden wird doch noch ein "Kurort"