Karnevalswagen mit Charlie-Hebdo-Motiv in Menden

Die Mendener Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau präsentiert beim großen Umzug am Sonntag zwei Wagen mit Charlie-Hebdo-Motiv.
Die Mendener Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau präsentiert beim großen Umzug am Sonntag zwei Wagen mit Charlie-Hebdo-Motiv.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Während das Festkomitee des Kölner Karnevals beim Rosenmontagszug das Risiko eines Motivwagens scheut, das an den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo erinnert, sind beim Umzug der Mendener Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau am Sonntag zwei kleine Wagen mit Charlie-Hebdo-Motiv dabei.

Menden.. Es klemmt und hakt. Das graue Rolltor will und will nicht nach oben. Dabei soll doch der Motivwagen in der Halle bei einem kurzfristig einberufenen Presse­termin bei Tageslicht fotografiert werden. Die Welt soll sehen, dass beim Karnevalsumzug im kleinen Menden im Gegensatz zum Rosenmontagszug im großen Köln zwei Charlie-Hebdo-Motivwagen mitfahren.

Offenkundig hat der Rolltor-Motor seinen Geist aufgegeben. Ein Sinnbild für die Mendener Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau (MKG) wenige Tage vor dem großen Umzug am Tulpensonntag? Wird man die Geister nicht mehr los, die man gerufen hat?

Gelassene Karnevalisten

Gemach, gemach. Die Verantwortlichen des einzigen Karnevals­vereins in dem Sauerland-Ort demonstrieren Gelassenheit. „Ich kann die Kölner verstehen, dass sie bei einer dermaßen großen ­Besucherzahl kein Risiko eingehen wollen“, sagt Zugführer Klaus Durawa. „Aber bei uns ist das etwas anderes. Wir sind doch nur eine kleine ­Enklave des Karnevals im Sauerland.“

Durawa holt überdimensionale Buntstifte aus dem Kofferraum seines Wagens – geschaffen aus Geschenkpapier, Verpackungsrollen und Folien. „Es sind nur Buntstifte“, sagt er, „nichts anderes.“ Keine Mohammed-Karikaturen, kein Jeck mit Knollennase, der mit seinem Bleistift gegen einen Dschihadisten kämpft. Das Motiv, das dem Kölner Festkomitee zu heikel war.

Karneval Auch Kornblumenblau-Vorsitzender Klaus Dambachmayr hält die Buntstifte, die zwei Motiv­wagen (er betont: „zwei kleine ­Motivwagen“) beim Mendener ­Umzug am Sonntag zieren sollen, für harmlos. „Es ist alles andere als provokativ.“ Man wolle Solidarität zu den Karikaturisten von Charlie Hebdo, zu den Opfern der Terroranschläge von Paris, zu den Menschen in der fran­zösischen Partnerstadt Maroeuil in der Normandie demon­strieren. „Und dass uns Presse- und Meinungsfreiheit wichtig ist.“ Nicht zu vergessen „eine gewisse Narrenfreiheit im ­Karneval“, ergänzt Durawa.

Brosche mit Bleistift-Motiv

Der Zugführer selbst hatte die Idee zu einem solchen Symbol. Beim Besuch des Kölner Dreigestirns vor zwei Wochen in Menden habe die Jungfrau eine Brosche mit Blei­stift-Motiv getragen. „Da hat es bei mir klick gemacht.“ Seitdem ­bastelt er zusammen mit der ­Mitgliedergruppe „Die Oldies“ an dem Motivwagen – ein vier mal 2,30 Meter großer Autoanhänger, an dessen Säulen die Buntstifte ­angebracht sind sowie Schilder mit der Aufschrift „Menden est ­Charlie“. Erst am Tag vor dem großen Umzug soll die Kreation fertig sein.

Deutsch-französische Städtepartnerschaft ein Motiv

Daneben haben Mitglieder des deutsch-französischen Städte­partnerschaftsvereins einen drei mal zwei Meter großen Leiterwagen ­entworfen, der beim Umzug „von Menschenhand gezogen“ werden soll. Auf dem Wagen sind Bunt­stifte aufgebaut und französische Fahnen zwischen den Sprossen angebracht.

Karneval Seitdem öffentlich wurde, dass sich zwei der sechzehn ­Motivwagen beim Umzug am ­Tulpensonntag mit Charlie Hebdo beschäftigen, blicken viele auf das beschauliche Menden. Auch das NRW-Innenministerium in Düsseldorf. Die Behörde ist ebenso eingeschaltet wie der Staatsschutz und die Kreispolizei. Deren Sprecher Dietmar ­Boronowski verneint die Frage, ob am kommenden Sonntag mehr Polizeikräfte als ­bislang geplant in Menden Präsenz zeigen. „Die Karnevalisten stellen sich zur deutsch-französischen Freundschaft auf“, sagt er. „Es geht nur um ein paar Buntstifte.“

Und doch: Die kornblumen­blauen Jecken sind schon ein ­wenig überrascht, dass ihr Charlie-Hebdo-Vorhaben solch hohe ­Wellen schlägt. Er habe kein ­mulmiges Gefühl, beteuert ­Zug­führer Klaus Durawa. „Mir bereitet nur die Vorstellung Sorge, dass durch die bundesweite Be­richterstattung am Sonntag zu viele Besucher nach Menden strömen könnten.“ I

Im vergangenen Jahr ­pilgerten 60 000 Besucher in die Narrenhochburg im Märkischen Kreis. Wenn es diesmal noch mehr werden, könnte Menden zu einem Ort werden, der seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Mit anderen Worten: Es klemmt und hakt.