Zwischen Bravo und Joy: Welche Zeitschriften gibt es für Jugendliche?
01.02.2012 | 17:43 Uhr 2012-02-01T17:43:00+0100Menden.Yeah, endlich wieder ein neues Justin-Timberlake-Poster für mein Zimmer. Und das stylische Glitzerarmband als Extra passt perfekt zu meinem neuen Top. Das ist so schön! – Ja,das war es. Mit 14. Mittlerweile befindet sich besagtes Top längst auf dem Müll und das Armband war sowieso nach drei Tagen kaputt. So wie man sich selbst verändert hat, hat sich auch unser Lesegeschmack verändert. Zeitungen wie die Bravo, Popcorn, Bravo Girl und zahlreiche andere Vertreter haben ausgedient.
Und was liest man heute so? Als Mädchen mit 16, 17, 18? Nachdem wir uns mal umhörten, ergab sich, dass sich immer weniger Jugendliche regelmäßig Zeitschriften kaufen. Gründe dafür gibt es viele: Ganz vorne mit dabei im Gründe-Ranking: das Internet. Jederzeit kann man sich über Apps, wie zum Beispiel das der Bunte, über Neuigkeiten der Stars informieren oder die neusten Horrormeldungen aus dem Dschungelcamp abchecken. Das ganze ist dabei noch kostenlos.Wozu dann also unnötig Geld ausgeben? So spart man sich auch gleich den Gang zum nächsten Supermarkt oder Kiosk.
Außerdem sagen viele der Befragten in unserem Alter, dass es schwer sei, eine Zeitung zu finden, „die wirklich zu mir passt“. Stimmt das denn? Wir haben uns mal bei verschiedenen Zeitschriftenhändlern in Menden umgeschaut. Immer die gleichen Antworten auf die Frage: „Was wird im Alter der 16- bis 18-Jährigen am meisten gelesen?“
Bravo, Popcorn und Bravo Girl sind raus. Justin Bieber, die Foto-Love-Story und diverse Star-Poster kommen nicht mehr an. Auch die berühmten Ratschläge bei Problemen und Kummer von Dr. Sommer sind nicht mehr gefragt. Ein weiterer Kritikpunkt: der Sprachstil. Ausdrücke wie „Krass, mega, no go und Uuups“ in den Artikeln sind – um es mal in deren Sprache zu sagen – nicht gerade „der Burner“.
Designer-Klamotten statt Love-Story
Dem gegenüber stehen Zeitschriften wie Glamour, Joy, Vogue und diverse andere Hochglanzmagazine. Auch hier gibt es zunächst den neuesten Klatsch und Tratsch, aber statt Love-Story findet man dafür zahlreiche Empfehlungen für die aktuellen Designer-Klamotten. Die Teile sind schön, kosten dann aber meist auch mehrere Hundert Euro. Wer das Pech hat, sich in eines der vorgestellten Kleidungsstücke zu verlieben, kann es meist direkt abhaken. Wozu dann also unnötig frustrieren?
Außerdem fühlen sich viele noch zu jung für diese Zeitschriften. Was interessieren mich Themen wie „Wie komme ich am besten mit meinem Chef klar?“ und „Bei welchem Anlass soll ich die vorgestellten eleganten Abendkleider tragen? In der Schule, beim Training?“ Auch für eine Party am Wochenende sind die Dinger einfach zu übertrieben. Mendens Straßen sind nun mal nicht die Laufstege Mailands.
Dazu kommen Unmengen von Werbung, und der Preis dieser Zeitschriften ist auch nicht ganz unerheblich. So kostet ein Jahres-Abo der Vogue circa 65 Euro. Klingt erst einmal bezahlbar, allerdings beinhaltet das Abo auch nur zwölf Zeitschriften.
Ein großer Sprung von der Bravo zur Cosmopolitan
Der Sprung von den „Kinder“-Magazinen Bravo und Co. zur Cosmopolitan oder Joy ist einfach zu groß. Es muss doch noch irgendwas dazwischen geben. Etwas, zwischen „Kann man beim Küssen schwanger werden?“ und „Unerfüllter Kinderwunsch. Was wirklich hilft“.
Es scheint nicht ganz unbegründet, dass Jugendliche in unserem Alter immer weniger Zeitschriften lesen. Aber wie müsste die perfekte Zeitschrift dann also aussehen? Natürlich sollte sie schon einigen Tratsch über das Leben der Schönen und Reichen enthalten, das ganze müsste aber dem Alter der Leser angepasst werden. Neueste Eskapaden? Gerne. Justin Biebers neue Haarpracht in allen Details und Einzelheiten? Nein, danke.
Es sollten Dinge thematisiert werden, die im Alltag eines jeden Jugendlichen vorkommen und so wichtige Tipps liefern, wie man die ein oder andere Situation meistern kann. Auch Mode-Tipps sind generell nicht verkehrt, aber bitte mit bezahlbaren Kleidungsstücken. Gleiches gilt für den Preis der Zeitschrift. Nichts stört mehr als überteuerte Preise nur wegen der nervigen Extras... Schade, trotz riesigem Angebot am Kiosk scheint eine solche Zeitschrift bis jetzt wirklich noch eine Marktlücke zu sein.
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