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Schüleraustausch

Wenn Euch das Fernweh packt

06.06.2011 | 19:14 Uhr
Wenn Euch das Fernweh packt
Foto: Julian Gebhardt

Menden. Eine andere Sprache, neue Leute, ungewohntes Essen, andere Sitten, eine andere Kultur, eine neue Umgebung – auf ins Abenteuer, ein neues Leben! Der Wunsch oder wenigstens der sehnende Gedanke nach einem Auslandsaufenthalt, auch Fernweh genannt, packt viele Jugendliche. Jährlich verwirklichen 10 000 deutsche Jugendliche ihren Traum vom einmaligen Erlebnis und verbringen ein paar Monate oder sogar ein Jahr im Ausland.

Wie ist es wohl, High-School-Schüler zu sein? Am anderen Ende der Welt, in Australien oder Südafrika zu leben? Auf einmal auf Spanisch zu träumen? Der Klassiker sind eindeutig die USA, aber es gibt auch viele andere interessante Länder zu entdecken.

Ich selbst wollte bereits mit 13 ein anderes Land entdecken. Zuerst Mexiko, dann Kanada, es folgten Argentinien, Spanien, Costa Rica – ich muss zugeben, mein Wunschland hat sich mehrmals geändert.

Doch dann bin ich nach Paris gegangen, was mich manchmal selbst noch überrascht. Französisch war wirklich nicht gerade mein Lieblingsfach, bis ich letzten Sommer eine Nacht in dieser Stadt verbracht habe. Ich bin einfach ein Großstadtmensch, aber ich war noch nie so begeistert von einer Stadt wie von dieser. Danach war alles so einfach.

Dorit Heider (links) und ihre Austauschschülerin Pauline Bathelemy vor dem Louvre in Paris.

Ich habe einen Austausch in nur zwei Monaten organisiert, indem ich auf der Seite www.dfjw.org (Deutsch-Französisches-Jugendwerk), wo man nach einer französischen Austauschschülerin suchen kann, nach vier Wochen endlich eine Pariserin fand. Es musste unbedingt Paris sein, ich war echt dickköpfig. Wir sprachen unsere Daten ab, verstanden uns von Anfang an gut, füllten ein einziges Formular aus, die Schulen unterschrieben und nur fünf Wochen später war ich schon in Frankreich.

Und so schnell kann es gehen. Die Art von Austausch, die ich gewählt habe, beruht auf einem einfach gestrickten System: ein Austausch von sechs (Voltaire-Programm) oder drei Monaten (Brigitte-Sauzay), was gute Zeiträume sind für jene, denen ein Jahr zu lang ist. Bei der ersten Variante ist es die Französin, die als erste von Januar bis Juli nach Deutschland kommt und anschließend wohnt man von August bis Februar bei ihr. Bei der zweiten Variante sind die Daten frei wählbar. Aber selbst wenn es ein Jahr sein soll, sollte man sich keine Gedanken um eventuellen Verlust des Schulunterrichts machen, da man auf keinen Fall ein Jahr „verliert“, weil all die Dinge, die man gewinnt, viel wichtiger sind.

Die wahrscheinlich besten drei Monate der Schulzeit

Ich kann jedem einen Auslandsaufenthalt wirklich empfehlen, denn man kann davon nur profitieren. Ich kann dabei natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen, aber ich habe die wahrscheinlich besten drei Monate meiner gesamten Schulzeit genossen, weil ich wirklich viel erlebt habe.

Die Kultur, mein neues Leben, meine Familie, die Leute und besonders meine Austauschschülerin haben mir so gefallen, dass ich gar nicht mehr nach Hause wollte. Jetzt vermisse ich es sogar. Wobei ich zugeben muss, dass auch Vorurteile sich teils als wahr ergeben haben – Wein, Käse, Baguette…

Aber für mich bleibt das unbeschreiblichste Erlebnis dieses Gefühl: am Morgen aufzuwachen, auf Französisch geträumt zu haben, einen Blick aus dem Fenster zu werfen und den Eiffelturm zu sehen. Und jedes Mal aufs Neue zu realisieren, dass es wahr geworden ist. Außerdem schließt man internationale Freundschaften, was auch nie schlecht sein kann.

Daher sollte jeder, der die Chance hat, ein solches Abenteuer durchleben zu können, sie sich nicht entgehen lassen.

Dorit Heider

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