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Uni-Leben: Erkenntnisse einer Erstsemesterin

25.01.2012 | 18:21 Uhr
Uni-Leben: Erkenntnisse einer Erstsemesterin
Patricia blickt auf ihr erstes Semester an der Uni zurück. Foto: privat

Menden/Dortmund. Überfüllte Hörsäle, Stundenpläne, in denen nichts passt, und Kurse, aus denen man direkt wieder rausfliegt... Das waren meine ersten Erfahrungen als Erstsemester an der Universität.

Viele glauben, dass man nichts Entspannenderes tun könnte, als zu studieren. Nur zähneknirschend nahm ich Sprüche dieser Art von den Leuten entgegen. Allein die Bürokratie, die hinter dem System Universität steckt, war schon eine Herausforderung für einen ahnungslosen Anfänger. Für mich kam dann noch eine Doppelbelastung hinzu, weil ich meinen Studiengang zwischendurch gewechselt habe.

Bei dem ganzen Arbeitsaufwand und den schlaflosen Nächten, in denen man dem Studentenleben gerecht werden will und ordentlich feiert oder auch irgendwelche Texte über scheinbar irrelevante Theorien liest, lernt man, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen.

Da wäre zum Beispiel das Mensa-Essen. Ein Highlight sind immer wieder die Pommes, die kalt und hart sind, wenn man endlich einen Sitzplatz gefunden hat. Während des Essens kann man sich auch in Ruhe angucken, welche Studi-Party demnächst ansteht, weil man vor lauter herumliegenden Party-Flyern gar nicht weiß, wo man sein Tablett abstellen soll.

Ein weiterer meiner persönlichen Höhepunkte des Tages ist mein regelmäßiger Besuch der Bahnhofsbücherei. Während ich auf verspätete Züge zur Uni warte, ist es immer lohnenswert, dort hin zu gehen und mein Lieblingsbuch unter den kritischen Blicken der Verkäuferin, die mich anscheinend schon gut kennt, weiterzulesen.

Auch die Schaffnerin im Zug scheint mich schon gut zu kennen. Weil ich pendeln muss, verbringe ich eine Menge Zeit auf den gemütlichen Polstern der Deutschen Bahn. Die Schaffnerin kontrolliert mich mittlerweile nicht mehr...

Am schönsten ist es jedoch, morgens in der Dunkelheit in die Uni zu fahren und abends in der Dunkelheit nach Hause zu kommen. Es gibt Gerüchte, dass es in anderen Studiengängen anders aussieht, das macht meine Situation nur leider nicht besser. Was aber wirklich effizient hilft, ist Kaffee. Zum Glück haben die Kaffee-Ketten das Sucht-Pensum der Studenten erkannt und an jeder Ecke einen Kaffeeautomaten aufgestellt.

Wir Erstsemester haben sogar eine eigene Facebookgruppe. In der werden unter anderem Ergebnisse ausgetauscht oder Küchen versteigert. Neuerdings wird dort auch eine neue Methode praktiziert, mich enormem Stress auszusetzen. Als ob ich nicht selber wüsste, dass ich lernfaul bin, posten einige Gruppenmitglieder schon drei Monate vor der ersten Klausur: „Hast du schon die Probeklausur durchgerechnet?“ oder „Sollen wir uns mal zum Lernen treffen?“. Ich hoffe, so etwas ist und bleibt eine Erstsemesterkrankheit, die nicht ansteckend ist.

Trotzdem: Wenn man mich fragen würde, was ich statt Studieren lieber machen würde, wüsste ich keine Antwort. Arbeiten? Nein, das ist schon zu viel Ernst des Lebens. Zurück in die Schule? Das war eine schöne Zeit, aber mal selbstständig sein zu dürfen, tut auch gut. Hinter jedem Tag Uni verbirgt sich eine neue Herausforderung, der ich mich mittlerweile nur zu gerne stelle. Sonst wäre das Leben doch zu einfach.

Patricia Gabor

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