Das aktuelle Wetter Menden 11°C
Junge WP

Studium abgebrochen: Der Mut zum Scheitern

16.06.2011 | 13:13 Uhr

Menden. Im Jahre 2009 habe ich mein Abitur bestanden. Fast zwei Jahre ist das nun schon her. Zwei turbulente Jahre mit viel Hin- und Hergerissenheit, voller falscher, aber auch richtiger Entscheidungen und vor allem mit Selbstfindung.

Nach dem Abitur stehen einem alle Türen offen, solange man nicht etwas studieren will, dessen Numerus Clausus im Einser-Bereich liegt. Leider war das bei mir der Fall. Der Wunsch „Journalismus-Studium“ war dadurch leider relativ schnell abgehakt. Doch was dann? Die Abiturfeierlichkeiten noch mehr im Kopf als die Zukunft und die gefühlt tausenden Möglichkeiten, die es gibt, machten die Entscheidung da nicht leicht.

Ich entschied mich für ein Studium der Sozialwissenschaft und Pädagogik. Die Fächer fand ich in der Schule ganz gut und sie interessierten mich auch – damals wie heute. Jedoch machte ich schnell die Erfahrung, dass zum Studieren mehr gehört: Kommilitonen, Studienort, Nebenjob, das alles muss einem auch gefallen und unter einen Hut gebracht werden, damit man sich wohl fühlt. Man muss damit leben können, nur noch eine Nummer zu sein, Selbstdisziplin beweisen und auch Dozenten, die nur ihre Ruhe wollen, haben mit den fürsorglichen Lehrern von früher nicht mehr viel gemein.

Für mich leider wieder ein „Satz mit X“. Natürlich entschied ich mich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zum Studienabbruch: Alle Ausbildungen hatten bereits angefangen oder die Plätze dazu waren schon vergeben. Ich plante schon ein Jahr mit verschiedenen Praktika, was sicherlich auch nicht schlecht gewesen wäre, als meine Mutter den „Ausweg“ fand: eine schulische Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin oder ein Jahr höhere Handelsschule für Abiturienten. Das entsprach eigentlich so gar nicht meinen Vorstellungen, aber da ich sprichwörtlich mit „eingekniffenem Schwanz“, Studienabbruch im Lebenslauf und dem Gefühl, irgendwie gescheitert zu sein, wieder zu Hause eingezogen war, musste ich meinen Eltern ein wenig entgegen kommen. Hauptsache, ich tue nicht nichts. Und was soll’s? Schule kostet nichts und man kann zur Not für Praktika immer noch abbrechen. Doch das musste ich nicht.

Der „langweilige Schreibtischjob“, der für mich niemals in Frage kam, hat sich für mich als wahre Perspektive entlarvt, und ein kaufmännischer Beruf wurde für mich zum Herzenswunsch. Darüber, ob schulische Ausbildungen genauso viel Wert sind wie betriebliche, lässt sich streiten. Aber ich hab nach vielem Hin und Her endlich das gefunden, was ich machen möchte. Auch wenn ich lieber schon Geld verdienen möchte, als „nur“ Schüler zu sein: Innerhalb von zwei Jahren werde ich eine anerkannte Ausbildung haben und kann dann noch eine betriebliche anhängen.

Also ist es egal, wenn es etwas Zeit braucht, bis man den richtigen Weg gefunden hat. Nach der Schule ist man noch jung und wird auf die Möglichkeiten, die sich einem bieten, nicht annähernd genug vorbereitet. Man braucht sich nicht alleine zu fühlen, wenn man nach der Schule etwas orientierungslos ist. Wenn das bei Euch der Fall ist: Probiert Euch ruhig eine Zeit lang aus und nutzt die Chancen, um Euch Verschiedenes anzusehen. Hauptsache ist, dass man sich treu bleibt und den Mut hat zu „scheitern“.

Kristina Jahn

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4770137/create

Aktuelle Fotos und Videos
Konzert im Zentrum
Bildgalerie
Fotostrecke
Konzert im Zentrum
Bildgalerie
Fotostrecke
Crossover Camping Festival
Bildgalerie
Fotostrecke
LiveZeit - Caliben. 44
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Ein Bollerwagen mit Musikanlage und Grill
Viel Platz
Ausreichend Platz für Essen und Trinken, stabile Reifen, Musikanlage und ein eingebauter Grill: Diese Ausstattung haben Sebastian Rennebaum (17) und zwei weitere Freunde in ihren eigenen Hightech-Bollerwagen eingebaut.
Fasten Teil 2: Mal nicht immer „up to date“ sein
Fastenzeit
Fast 40 Tage lang haben wir es schon ausgehalten. Nie waren wir direkt auf dem neusten Stand der Dinge. Geburtstage haben wir einfach mal vergessen. In der Fastenzeit kein Facebook.