Niemals um einen Disput verlegen
18.02.2010 | 09:00 Uhr 2010-02-18T09:00:00+0100
Menden/Münster. Nur 26 Schüler durften teilnehmen, drei davon kamen vom Mendener Walburgisgymnasium. Im Rahmen des 4. Bundes - und Landeswettbewerbs „Philosophischer Essay” fand vom 9. bis zum 12. Februar in Münster die 10. Philosophische Winterakademie statt. Mit dabei: Junge-WP-Reporterin Saskia.
„Dieses Jahr sind die vier Themenbereiche wirklich gut. Wäre schön, wenn Sie Zeit und Muße fänden”, meinte mein Philosophielehrer im November und drückte uns einen Zettel in die Hand, den drei Zitate und eine Frage zierten.
Ja, es war wieder soweit: Der Philowettbewerb stand vor der Tür. An dem können Schüler der Oberstufe teilnehmen, indem sie sich zu einem Themenbereich philosophisch äußern — in der Form eines Essays. Dieser wird eingeschickt, und mit etwas Glück gefällt er den Juroren und man wird in die philosophische Winterakademie eingeladen.
Deutschland in Delphi vertreten
Dort verfasst man wieder einen Essay, jetzt auf Englisch oder Französisch, der wiederum bewertet wird. Die zwei Sieger werden eingeladen, Deutschland bei der Internationalen Philosophieolympiade zu vertreten, die dieses Jahr in Delphi stattfindet.
Der Wettbewerb unter den ausgewählten Schülern steht in der Akademie jedoch nur auf Rang zwei. Primär geht es darum, junge Philosophen unter ein gemeinsames Dach zu bringen und für anregende Diskussionen zu sorgen.
Philosophen sind ein redseliges Pack
Ich habe mich mit der Fragestellung „Welches ist für Sie persönlich die wichtigste philosophische Erkenntnis?” beschäftigt — mit Erfolg. Neben mir haben sich noch zwei weitere Schülerinnen meiner Jahrgangsstufe für die Akademie qualifiziert.
Maureen und Lara, beide 19, haben sich erfolgreich zu dem Zitat „So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein!” philosophisch ausgelassen, und daher haben wir drei die vergangene Woche zusammen mit 23 anderen Philosophen aus ganz Deutschland in Münster verbracht.
Eines kann ich nach vier Tagen philosophischer Akademie absolut sicher behaupten: Philosophen sind ein ziemlich redseliges Pack und niemals um einen Disput verlegen. Tatsächlich brauchten wir weder die Vorträge noch offizielle Diskussionsrunden, um so richtig loszulegen — dazu genügte uns bereits der Frühstückstisch oder wahlweise auch des Nachts der Tresen der Pinte des Hauses.
Entspannte Diskussionen
Denn nachdem wir am Mittwochmorgen den obligatorischen Wettbewerbsteil hinter uns gebracht hatten, konnten wir uns entspannt den Fragen „Gibt es einen gerechten Krieg? Und wie sieht es aus im Falle einer humanitären Intervention?” widmen. Das waren die Leitfäden unseres diesjährigen Programms. Wir beschäftigten uns mit der Charta der Vereinten Nationen, diversen Stellungnahmen von renommierten Philosophen und hörten Vorträge.
Obwohl unser Zeitplan recht eng war, blieb uns immer noch die Chance, die anderen besser kennen zu lernen und sogar neue Freundschaften zu schließen. Während einer Stadtführung brachte es Moritz aus Berlin auf den Punkt: „Es ist total verrückt! Wir sind so unterschiedliche Leute, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass wir direkt soviel und so gut miteinander reden können.”
Inspirierende Stimmung
Die beiden Gewinner, Niklas aus St. Augustin und Julian aus Bochum, werden uns im Mai bei der Olympiade super vertreten. Eines steht für mich auf jeden Fall fest: Selbst wenn niemand aus unserer Schule gewonnen hat, bin ich sehr glücklich darüber, zu der Philoakademie eingeladen worden zu sein. Ich kann mich da nur Hannah aus München anschließen, die den dritten Platz belegte und kurz vor der Abreise versicherte: „Die Stimmung war einfach total herzlich und irgendwie inspirierend.”
Ich vermisse die Atmosphäre dort schon ein bisschen und kann sagen, wenn ich neben Zwischenmenschlichkeiten, Wissen und anregenden Diskussionen noch etwas mitgenommen habe, dann ist es das Prinzip „Sapere aude!” („Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”) und das besitzt an und für sich schon einen unschätzbaren Wert.
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