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Jugendliche: Schere geht weiter auseinander

23.01.2015 | 07:00 Uhr
Jugendliche: Schere geht weiter auseinander
In Menden gibt es immer mehr Kinder und Jugendliche, die von Armut bedroht sind.Foto: Anna Horstmann

Menden. In Menden gibt es immer mehr Kinder und Jugendliche, die von Armut bedroht sind. Zugleich wächst die Zahl angehender Abiturienten aus gutbürgerlichen Verhältnissen, die unter Leistungsdruck und emotionaler Verarmung leiden. Beiden Gruppen will die offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt gerechter werden – und die Kluft zwischen Arm und Reich schließen helfen. Das geht aus einem Thesenpapier der Stadtverwaltung für die Jugendpolitiker hervor, die für die neue Ratsperiode eine Neuaufstellung dieser Arbeit gefordert hatten.

Das Papier soll am Mittwoch im Unterausschuss des Kinder- und Jugendhilfeausschusses vorberaten werden. Dabei will man auch Ideen und Anregungen dazu sammeln.

Auch wenn die Geburtenzahl in Menden 2014 um 36 leicht auf 408 anstieg: Tendenziell rechnet die Stadt damit, dass die Altersgruppen für Kinder-, Teenie- und Jugendarbeit kleiner werden. Darauf gelte es zu reagieren – aber nicht mit Zurückfahren. Denn die Zahl junger Menschen aus armen oder armutsbedrohten Elternhäusern wachse. Bei ihnen begegne man „einem erhöhten Grad an Pessimismus und sehr großer Skepsis bei der Einschätzung der persönlichen Chancen“. Zuversicht sei hier „durchlöchert von Komponenten wie Ohnmacht und Frustration“. Und: Heute liege der Anteil sozial schwacher Jugendliche in den städtischen Treffs bei 80 Prozent. Die meisten hätten ausländische Wurzeln, unter den Stammbesuchern liege deren Anteil sogar bei bis zu 95 Prozent.

Das zeige zwar, dass die Mendener Jugendarbeit mit gezielten und niederschwelligen Angeboten sozial schwache Kids erreicht. Doch erfordere dies zum einen ein hohes Maß an vertrauensbildender und intensiver Betreuung, die nur mit entsprechend verlässlicher, personeller Ausstattung zu leisten sei.

Und: In aktuelleren Studien zur offenen Kinder- und Jugendarbeit werde von „bewussten Nichtbesuchern“ beanstandet, dass die offenen Treffs faktisch eben nicht allen zugänglich seien, sondern durch einzelne Gruppen besetzt würden. Hier bestehe die Gefahr, dass offene Arbeit die vorhandenen Ungleichgewichte ungewollt noch verstärkt.

Parallel dazu gebe es in Menden einen wachsenden Anteil Jugendlicher, die das Abitur erwerben oder anspruchsvolle Berufs- oder Hochschulausbildungen anstreben: Die Anteil der Abiturienten unter allen Mendener Schülern stieg von 2004 bis 2012 von 29 auf 43 Prozent.

Diese Jugendlichen stammten vielfach aus finanziell recht gut gestellten Elternhäusern, seien aber „nicht selten belastet von hohen Leistungserwartungen und emotionaler Verarmung“, heißt es in dem Thesenpapier weiter. Und: Auch diese Gruppe brauche deshalb die Aufmerksamkeit der Jugendhilfe.

Um Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu ermöglichen und die Vielfalt der Besucher zu fördern, solle man „ein attraktives, die jeweiligen Lebenswelten ansprechendes Angebot mit einem hohen Aufforderungscharakter und Strahlkraft entwickeln“.

Hauptamtliche als Bezugspersonen

Besonders deutlich herausgestellt wird in den Thesen die wichtige Rolle hauptamtlicher Fachkräfte. Denn sie repräsentierten Verlässlichkeit, Vertrauen, Lebensmut, Durchhaltevermögen und Zuwendung. Sie zeigten den Jugendlichen, die zu ihnen kommen, Wege auf und seien in mancher Not der letzte Halt, wo Elternhäuser das nicht sein könnten.

Thomas Hagemann

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2015-01-23 07:00
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