Teenagerschwangerschaften
Jugendliche lernen das Elternsein mit Puppen
29.07.2010 | 15:42 Uhr 2010-07-29T15:42:00+0200
Menden.Mit Puppen haben doch alle kleinen Mädchen früher gespielt. Aber was, wenn das Kind dann tatsächlich anfängt zu schreien und gar nicht mehr aufhören will? Im Mendener Zentrum testeten junge Erwachsene eine Woche lang, wie ihr Leben mit einem Kind aussehen würde.
Sie sehen aus wie Spielzeuge für kleine Mädchen. Aber sie schreien, sie haben Hunger, und sie machen in die Windel. Die vier Babysimulatoren, die das Zentrum Menden angeschafft hat, halten ihre Puppenmütter ganz schön auf Trab. Mit Hilfe der neuen Puppen bietet das Zentrum jetzt zum zweiten Mal ein Elternpraktikum für Jugendliche an.
Am Montag wurden die Babys ihren Probeeltern zusammen mit einer Geburtsurkunde überreicht — ein Augenblick, der mit einem Foto festgehalten werden musste. „Angestoßen haben wir natürlich mit Fencheltee“, erzählt Jugendschutzbeauftragte Uschi Rosenthal, „das kam aber irgendwie nicht so gut an.“
Chip protokolliert Pflege
Vier Tage lang begleiteten die Babys ihre jungen Eltern, und das Tag und Nacht. Nachmittags traf man sich für zwei Stunden im Zentrum, um Erfahrungen auszutauschen.
Schon am zweiten Tag zogen die jungen Eltern erste Bilanz: „Ich habe es mir nicht so schwer vorgestellt“, berichtete Puppenmutter Jana Reichelt (17). Denkt sie denn mit 17 etwa schon an Familienplanung? „Ich wollte einfach nur mal sehen, wie das ist“, erzählte sie, „aber es ist schon schwer. Letzte Nacht hat Matt angefangen zu schreien und ich musste aufstehen. Da hatte er Hunger und musste die Windeln gewechselt bekommen. Das war ziemlich anstrengend. Die nächste Nacht bleibt er aber beim Papa.“ Eben alles wie beim richtigen Kind.
Die Puppe einfach zu ignorieren oder auszuschalten, kommt nicht infrage. Die Jugendlichen haben einen elektronischen Chip am Arm, mit dem sie sich, wenn das Baby schreit, innerhalb von drei Minuten identifizieren müssen. Dazu muss das Armband an das elektronische Gegenstück am Babysimulator gehalten werden und anschließend müssen die Probeeltern herausfinden, was ihrem Schützling fehlt. Dabei werden alle Handlungen im Umgang mit dem Baby auf dessen Chip festgehalten. Nach vier Tagen wurden die Baby-Chips ausgelesen, und die jungen Eltern erhielten Informationen darüber, wie gut sie ihre Kinder gepflegt haben.
Puppen können auf 15 Verhaltensweisen programmiert werden
Die Puppen können auf 15 Verhaltensweisen programmiert werden, so erhielt jedes Elternpaar ein kleines Individuum. Aussuchen konnten sich die Eltern ihr Kind natürlich nicht. „Das geht im wahren Leben ja auch nicht“, so die Jugendschutzbeauftragte, „aber einen Namen durften sie sich natürlich selbst überlegen.“
Ernst genommen wird das Projekt von allen Beteiligten. Wer es mit der Babypflege nicht so genau nimmt, erntet ein Schreikind. Die Resonanz auf das Projekt ist durchweg positiv, „das Projekt wird in den Herbstferien erneut angeboten. Dafür haben wir fast schon wieder eine Gruppe zusammen“, berichtet Uschi Rosenthal.
Die Projektidee entstand aufgrund der Erfahrungen mit Teenagerschwangerschaften. Von 20 U-18-Schwangerschaften pro Jahr sind vier Mütter jünger als 14 Jahre. Deshalb wird das Projekt nun auch in Schulen angeboten.
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