JU-Chef hat die Probleme der Zeit gar nicht erst angesprochen

Paul Ziemiak in Menden. Glaubt man der Berichterstattung, dann scheinen die Höhepunkte des Gesprächs zwischen der Senioren-Union und dem Bundesvorsitzenden der Jungen Union, Paul Ziemiak, sein aufmerksames Aufheben eines heruntergefallen Gegenstands sowie seine Sorge um die Kanalsuche beim neuen Fernseher eines Diskussionsteilnehmers gewesen zu sein. Das scheint gereicht zu haben, um die anwesenden Mitglieder der Senioren-Union zu begeistern.

Keine Diskussionen gab es anscheinend bei der Verteidigung des geplanten Freihandelsabkommens TTIP durch den Chef der Jungen Union. Zum Beispiel darüber, dass das Abkommen Unternehmen die Möglichkeit geben soll, hinter verschlossenen Türen Sonderrechte zu erstreiten. Um damit dann ökologische und soziale Standards zu senken. Kein Widerspruch anscheinend auch bei der Polemik von Herrn Ziemiak gegenüber Pazifisten, während die CDU-Verteidigungsministerin daran arbeitet, die Bundeswehr verstärkt zu einer Interventionsarmee umzubauen, die jederzeit und weltweit Krieg führen kann. Kein Thema für die Senioren-Union, deren Mitglieder doch zum Teil selber als Kinder noch Krieg erlebt haben?

Das Thema Altersarmut taucht erst gar nicht auf. Dabei nimmt die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die Grundsicherung erhalten oder ihre geringe Rente durch eine zusätzliche Tätigkeit aufstocken müssen, seit Jahren zu. Gab es keine Fragen der Mendener CDU-Senioren, was der Chef des CDU-Nachwuchses zur Altersarmut meint und dagegen tun will?

Und anscheinend hat auch niemand nachgefragt, ob Herr Ziemiak die Meinung seines unsäglichen Vorgängers Mißfelder teilt. Der hatte vor wenigen Jahren zur Gesundheitsversorgung von Senioren gesagt: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen (...) Früher sind die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen.“

In der Berichterstattung ist von alledem nichts zu lesen. Im Gegenteil: Man bekommt den Eindruck, dass das alles die Senioren-Union nicht interessiert hat. Hauptsache, der Union-Nachwuchs ist nett.

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