Johannisfest im Mendener Labyrinth

Sommersonnenwende am Mendener Labyrinth: Ein heidnisches Fest bekommt einen christlichen Charakter und wird fortan "Johannisfest" genannt.
Sommersonnenwende am Mendener Labyrinth: Ein heidnisches Fest bekommt einen christlichen Charakter und wird fortan "Johannisfest" genannt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Verein Mendener Labyrinth hat zu einer Feier der Mittsommernacht geladen. Neben einem Gang durch das Labyrinth und gemeinsamen Essen stand auch das Entzünden des Johannisfeuers auf dem Programm. Interpretiert wird das Fest christlich.

Oberrödinghausen..  Zum gemeinsamen Feiern des Mittsommerfestes lud der Verein Mendener Labyrinth an eben jene Stelle, direkt neben der „Maria Königin des Friedens“-Kirche.

Die Erklärung für die Wahl dieses Ortes ist schnell erledigt: „Das ist die schönste Kirche, die wir haben. Von außen denkt man: typisch Sauerland. Von innen ist sie sehr minimalistisch und deswegen topmodern“, so Regina Bauerdick, die Vorsitzende des Vereins Mendener Labyrinth.

Wer sich darüber wundert, wie ein eigentlich heidnisches Fest neben einer christlichen Kirche harmoniert, wird überrascht sein: „Wir wollen das Mittsommerfest christlich interpretieren und nennen es ,Johannisfest’“, erklärt Regina Bauerdick und ergänzt dazu noch: „Es ist gar keine esoterische Veranstaltung.“

Johannes, der Täufer, ist der einzige Heilige, dessen Geburtstag gefeiert wird, von den anderen Heiligen ist es stets der Todestag. Und Johannes’ Geburtstag liegt – nicht zufällig – an eben jenem 24. Juni. Diesen Tag kennzeichnen zwei Dinge: erstens die Geburt Christi, denn Weihnachten ist genau ein halbes Jahr her und wird in genau einem halben Jahr wieder gefeiert. Zweitens den längsten Tag des Jahres, denn ab jetzt werden die Tage wieder kürzer, und es wird schneller dunkel.

In der Mitte des Lebens

Deswegen wird ein Gang durch das Labyrinth mit in die Feierlichkeiten einbezogen. Denn die eine Hälfte des Labyrinthes ist im Dunkeln, die andere ist die Sonnenseite. Es gehe darum, über sein Leben nachzudenken, während man langsam durch das Labyrinth geht.

Einer der wenigen männlichen Teilnehmer ist Martin Rohleder, der sich vornehmlich für das Labyrinth interessiert und an mehreren dieser spirituellen Veranstaltungen in Menden teilgenommen hat. Auch anderen Männern möchte er das ans Herz legen: „Das ist schon sehr faszinierend. Man fragt sich, ob man schon in der Mitte seines Lebens war und entdeckt immer wieder Neues.“

Nach diesem Gang durch das Labyrinth – der für viele Teilnehmer das erste Mal ist – und mit dem Einbruch der kurzen Nacht wird gemeinsam gegessen und das Johannisfeuer entzündet. Wer möchte, der darf seinen Emotionen freien Lauf lassen und um das Feuer tanzen.

Obwohl der Sommer noch nicht richtig begonnen hat, werden die Tage ab jetzt wieder kürzer und die Nächte wieder länger.