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Saturday Night

Jazz im TAZ: Geschichten voller Emotionen

12.02.2012 | 16:40 Uhr
Jazz im TAZ: Geschichten voller Emotionen
Saturday Night: "Keith Dunn & Christian Rannenberg" TAZ Jazz und Blues , Lokal , Foto: Alexander Bonsendorf

Menden.Theater am Ziegelbrand oder eine verrauchte Spelunke in New Orleans: Die Geschichten von schwerer Arbeit und großer Liebe sind am Samstagabend die gleichen, das Feeling auch.

„Harp“ heißt sie im Englischen, ist unter den unzähligen Instrumenten eines der kleineren und gehört zur Gattung der Luftklinger. Das deutsche Wort dafür - „Mundharmonika“ - mag die Klänge und die Stimmung, die dieses Instrument erzeugen kann, vielleicht nicht genauso gut wiedergeben wie das englische, mit dem man schon eher die oben angesprochene Kneipe verbindet. Richtig gespielt, kann sie Geschichten erzählen und Emotionen ausdrücken, wie es menschlichen Worten nicht immer gelingt.

Genau das schaffte am Samstagabend Keith Dunn – beworben als bester amerikanischer Blues-Harp-Spieler – der zusammen mit Blues-Pianist Christian Rannenberg zur „Saturday Night“ ins Theater am Ziegelbrand geladen hatte. Das Rauchen ist drinnen natürlich nicht erlaubt, sonst waren aber alle Zutaten vorhanden für den Abend in der Blues-Bar. Dunn begann alleine, sang und spielte Harp im Wechsel, den Rhythmus klopfte er – wie bei so manchem Stück später – mit dem Fuß auf den Boden. Irgendwann mussten dann auch die Zuhörer mitklopfen.

Rannenberg saß währenddessen noch lässig mit einem Glas Rotwein in der Hand auf den Stufen des Zuschauerraums. Dann nahm aber auch er seinen Platz ein und bereitete – ganz versunken in die Musik – einen dichten Teppich für die kratzig-brummige, und doch immer warme Stimme Keith Dunns sowie sein variantenreiches Harp-Spiel, welches manchmal ganz leise säuselt wie ein Windhauch, dann wieder das schrille Telefonklingeln beim Anruf der Liebsten imitiert.

Überhaupt die Frauen: Nicht nur im Blues werden die Geschichten von gefundener und verlorener Liebe und all den dramatischen Ereignissen dazwischen gerne erzählt, aber gerade hier kommen besonders die traurigen Momente so gut zur Geltung. Davon konnten beide Künstler nicht nur ein Lied singen.

Keith Dunn übernahm den Part des Entertainers, nicht nur in den Songs. Mit der Geschichte von einem verlorenen Freund und Musiker, der ihn nach einem feucht-fröhlichen Abend in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett klingelte, brachte Dunn das Publikum zum Lachen. Rannenberg fungierte immer wieder als Stichwortgeber, im musikalischen Teil blieb da mehr Raum, in dem er bei seinen Solopassagen glänzte. „In der Pause könnt Ihr mich an der Bar treffen“, so Keith Dunn an die Zuhörer gerichtet. Passte ja.

Alexander Lück

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