Interesse gibt es sogar am Finanzamt

Ausbildungsmesse auf der Wilhelmshöhe in Menden: Das Foto zeigt Schüler bei einem Vortrag für Gymnasiasten.
Ausbildungsmesse auf der Wilhelmshöhe in Menden: Das Foto zeigt Schüler bei einem Vortrag für Gymnasiasten.
Foto: WP

Menden..  Beim Finanzamt steht die längste Schlange. Beim Finanzamt? Beim Finanzamt! Franziska Verse (17) will sich „einfach mal informieren“. Lena Helmig (17) vom Walburgisgymnasium reizt das duale Studium, für das die Finanzverwaltung des Landes an ihrem Stand wirbt. Die Ausbildungsbörse auf der Wilhelmshöhe soll den Schülern Perspektiven aufzeigen.

Alle Schulen vertreten

Voll ist es im großen Saal auf der Wilhelmshöhe. Schülergruppen verschiedenster Typen schieben von Stand zu Stand. Typ 1 hat es vor allem auf Kugelschreiber, Süßkram und alles Materielle abgesehen, drängt gerne Mitschüler mit dem Ellenbogen zur Seite und greift dann zu wie Mäusebussard im Sturzflug. Einige Aussteller bringen vorsichtshalber die Werbeartikel unter der Theke in Sicherheit.

„Man merkt hier, wer wirklich Interesse hat“, sagt Robin Janssen, der als Azubi den Stand von OBO Bettermann mit betreut. Denn es gibt auch noch Schülertyp 2. Der ist zwar in der deutlichen Minderheit, hat aber echtes Interesse an den Unternehmen. Typ 2 sucht das Gespräch, sammelt Informationen, schaut, staunt und fragt nach. „Es lohnt sich für uns, um auf unsere Berufe aufmerksam zu machen“, sagt OBO-Ausbilderin Tanja Pruski. Viele wüssten überhaupt nicht, was der größte Arbeitgeber zu bieten habe. Schülertyp 2 ist für die Unternehmen besonders interessant. „Nicht alle wollen mit uns ins Gespräch kommen, aber diejenigen, die wollen, können wir hier auf der Messe erreichen und für uns werben.“

Andrea Swoboda, die auf Seiten der Stadtverwaltung die Ausbildungsmesse koordiniert, freut sich, dass erstmals auch alle Gymnasien tatsächlich auf der Messe erschienen sind. „Es sind alle da – auch diejenigen, die vorher nicht angemeldet waren.“ Für Gymnasiasten gibt es ein zusätzliches Informations-Angebot mit Blick auf Studium an Universität und Fachhochschulen. Auch das soll nach Kritik diesmal nicht zu kurz kommen.

Robin und Elgar (beide 14) von der Realschule Lendringsen kritisieren, dass es so voll ist. „Menden hat keine coolen Unternehmen“, sagt Robin. Deshalb interessiere ihn die Messe eigentlich auch überhaupt nicht. Er wolle später mal zu einem richtig großen Unternehmen. „McDonald’s oder Mercedes.“

Auch gegen diese Vorurteile versuchen die Mendender auf der Messe anzukämpfen. Bäcker Niehaves lässt die Standgäste selbst Marmelade in Berliner-Ballen-Rohlinge spritzen. Filter-Spezialist HJS zeigt Spezialtechnik. Und OBO lässt die Schüler an einem Modell die Geschicklichkeit testen. Um neugierig zu machen und zu reden.

Streit um Teilnahme der Gymansien im vergangenen Jahr

Bürgermeister Volker Fleige (SPD) warf vor allem dem Heilig-Geist-Gymnasium im Vorjahr einen Boykott der Messe vor.

HGG-Schulleiter Thomas Hardt wehrte sich gegen die Vorwürfe und kritisierte seinerseits, dass es viel zu wenig Angebote für Gymnasiasten gebe.