In 14 Jahren die Gemeinde geprägt

Fröndenberg..  Wenn Masse wirklich Klasse ist, dann muss Pfarrer Achim Heckel seit 2001 in Fröndenberg vieles und viele bewegt haben – weit über die Evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen hinaus. Denn zu seiner Verabschiedung am Sonntagabend platzten Kirche und Gemeindehaus aus allen Nähten.

Als liturgische Form für diesen Anlass hatte er sich den monatlichen „Ich bin’s“-Gottesdienst in der Bausenhagener Dorfkirche ausgesucht. In der hieß es schon eine gute halbe Stunde vor Beginn: Alle Plätze belegt. Schließlich wurde jeder freie Quadratzentimeter des Gotteshauses bis an die Eingangstüren als Stehplatz genutzt.

Der Abschied des evangelischen Seelsorgers, der 2001 in die Ruhrstadt und als Pfarrer in die damals noch eigenständige Kirchengemeinde Bausenhagen kam, war in dem Gottesdienst noch nicht das große Thema. Heckel selbst, der diese besondere Gottesdienst-Form 2008 mit ins Leben gerufen hatte, hielt die Predigt über das Bibelwort vom lebendigen Wasser. Im Anschluss an den Gottesdienst setzte sich eine schier endlose Karawane in Richtung Gemeindehaus Stift in Bewegung, wo die Parkplätze schnell rar wurden und die Autos bis weit in die Alleestraße hinein abgestellt wurden.

Palz offenbar komplett vor Ort

Achim Heckel hat in den fast 14 Jahren seiner Tätgkeit in Fröndenberg viele Spuren hinterlassen, das wurde am Sonntag klar. In seiner Gemeinde, die natürlich am zahlreichsten vertreten war, aber auch bei den katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern, der Ecclesia-Gemeinde aus Menden und der Jüdischen Gemeinde Unna, von denen ebenfalls viele Heckel „Auf Wiedersehen“ sagen wollten. Und schließlich allen voran in seiner „Heimat“, der Palz, die anscheinend am Sonntag komplett erschienen war. Chöre, Feuerwehr, Sportverein, Schützen.

Bei vielen Gelegenheiten brachte sich Heckel in das Dorfleben ein und war ein gerne gesehener Gast, wie es Christopher Meisel vom SV Bausenhagen exemplarisch in seinen Grußworten beschrieb: „Bei unserem jährlichen Weihnachtsbaumverkauf war er ein treuer Kunde.“ Dem dann auch schon mal, wie Meisel zur Erheiterung aller weiter ausführte, ein besonders schönes Exemplar zurückgelegt wurde, als er es nicht rechtzeitig schaffte – in die Schiedsrichterkabine auf der „Alm“ um genau zu sein – darüber aber nicht alle Verkaufshelfer informiert waren. Als Heckel dann kurz vor Toresschluss doch noch aufkreuzte, nahm er dann gezwungenermaßen das einzig übriggebliebene, äußerst mickrige Exemplar mit, bevor am nächsten Tag doch noch die ihm eigentlich zugedachte, stattliche Tanne geliefert wurde.

Museum für Streichhölzer

Solche Anekdoten kamen zahlreich zu Gehör. Neu war für einige Besucher auch Heckels Sammelleidenschaft von Streichholzschachteln. Angeregt durch das Presbyterium hatten zahlreiche Gemeindemitglieder ganz individuelle Schachteln gestaltet, die er nun alle aus den Händen von Hausmeister Karl Heuser überreicht bekam. Eine Verwendungsvorschlag war auch schnell gefunden: ein eigenes Museum, „aber natürlich in Fröndenberg.“

Hierhin wird es Heckel ab sofort aber nur noch privat verschlagen, letztes Kofferpacken und der Transport der zahlreichen Abschiedsgeschenke erforderten Anfang der Woche noch logistischen Aufwand, zum 1. Februar dann tritt Heckel eine 75 Prozent-Stelle in der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Her­ze­brock-Clarholz an. Am kommenden Sonntag wird er dort, sicher auch unter Beteiligung einiger Fröndenberger, vorgestellt und in sein Amt eingeführt.

Langer Abend im Gemeindehaus

Das lachende und das weinende Auge als Symbol seiner Gefühlswelt hatte Heckel immer wieder betont. Beim Rest überwog die Trauer. Janine Hühne, die seit Oktober als Pfarrerin in Fröndenberg arbeitet, drückte das ganz besonders aus und dankte für die gute Unterstützung in ihren ersten Monaten in der Ruhrstadt. Bis in den späten Abend, weit nach 22 Uhr, war das Gemeindehaus noch voll besetzt und deutete so an, dass man Achim Heckel wirklich nicht gerne gehen lässt.