Im Tal der Depressionen eine zwanghafte Diebin

Foto: Martina Dinslage

Menden..  Die 64-jährige Witwe hat nicht einmal ihren engsten Angehörigen davon berichtet, wie sehr jahrelange Depressionen sie peinigten. Sie hat auch schamhaft verschwiegen, wie sie sich in stark depressiven Phasen nicht gegen gewisse Zwangshandlungen wehren konnte und kann. Sie wurde mehrfach angezeigt wegen Diebstahls und stand gestern erneut als Angeklagte vor Gericht. Niemand weiß um die Grauzone der tatsächlich von ihr gestohlenen Waren. Eine Kleptomanin wider Willen?

„Ich will endlich heraus aus diesem Teufelskreis.“ Sie weiß, was mit ihr passiert und kann sich doch nicht dagegen wehren. „Ja, ich habe das getan. Es kommt bei mir zu Zwangshandlungen.“ Für 77,10 Euro hat sie in einem großen Verbrauchermarkt jüngst wieder Sachen mitgehen lassen. Vor allem Körperpflegemittel. Sogar ihr behandelnder Neurologe hat attestiert, dass sie unter Zwangshandlungen leidet, hervorgerufen durch Depressionen. Kann man, ja darf man überhaupt eine Frau mit einer solchen Krankengeschichte verurteilen? Muss man hart durchgreifen?

Nach zwölf Jahren mit der Diagnose strebt die Frau eine Langzeitbehandlung in einer Fachklinik an. Sie will nach eigenen Worten dann auch lernen, sich anderen mitzuteilen. Ein Gefängnisaufenthalt wird ihr dabei nicht im Wege stehen. Und bei 1700 Euro Rente gewiss auch nicht die Geldstrafe von 120 Tagessätzen von je 30 Euro.

Amtsgerichtsdirektor Festersen machte deutlich: „Ihre besondere Situation ist kein Freibrief. Bitte bauen Sie für die Zukunft nicht darauf.“ Demnach eine Geldbuße mit Bedenken. Aber auch aufmunternde Worte: „Hut ab, dass Sie jetzt einen beschwerlichen Weg gehen wollen.“