Ich lebe und auch ihr werdet leben

Liebe Schwestern und Brüder, jedes Mal, wenn ich in der Friedhofskapelle auf dem evangelischen Friedhof am Hahnenbusch bin, beeindruckt mich der Satz oberhalb der Fenster in Richtung Friedhof aus dem Johannes-Evangelium. Jesus spricht: Ich lebe und auch ihr werdet leben. Das ist die Frohe Botschaft des Osterfestes: ICH LEBE!

Im Markus-Evangelium der Osternacht sagt der junge Mann in weiß bekleidet zu Maria aus Magdala, zu Maria, der Mutter des Jakobus, und zu Salome: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. ER IST AUFERSTANDEN!

Skepsis, aber auch Freude begleiten die drei Frauen auf dem Weg, die Jünger Jesu und Petrus über dieses Ereignis zu informieren.

Schon am vierten Fastensonntag hat Johannes in seinem Evangelium geschrieben: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Das ist Ostern, die Botschaft des auferstandenen Jesus Christus nach Leid und Kreuzigung. Und wie halten wir es mit Ostern heute? Junge Leute meiner Firmgruppe verbinden mit Ostern: Ostereier, Osterhase, Osterfeuer, Treffen in der Familie und unter dem Eindruck des Firmprojekts in Wimbern, Frieden und eine neue Heimat für die Flüchtlinge. Diese Antworten sind sicherlich ein Ausdruck der jungen Menschen, die sich bewusst für das Sakrament der Firmung entschieden haben. Die gleiche Frage habe ich im Freundes- und Bekanntenkreis gestellt: Was verbindet ihr mit Ostern? Antworten: Ostereier suchen mit Kindern und Enkeln, Frühjahrskleidung, nach dem langen Winter wieder den Nachbarn im Garten treffen, Osterurlaub, die Familie kommt zusammen. Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den Generationen werden deutlich und der Wunsch nach Geborgenheit, Vertrauen, Liebe und Zuneigung im engsten Kreis der Familie, die heute so brüchig geworden ist.

Ich lebe und auch ihr werdet leben, das haben die Jünger Jesu nach der chaotischen Situation nach dem Tod Jesu Christi am Kreuz erst mit Zögern durch die Erscheinung Jesu erkannt, neuen Mut gefasst und vor 2000 Jahren christliche Ur-Gemeinden gegründet und damit das Vermächtnis Jesu beim letzten Abendmahl „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ umgesetzt.

Zum Gedächtnis an das Leiden, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu Christi tragen die Mendener Christen seit 330 Jahren das Kreuz zum Berg. Wer dies von Gründonnerstag bis Karsamstagmorgen in den Prozessionen bewusst miterlebt, der freut sich auf Ostern. Mir geht es jedenfalls so, denn das Aussetzen des Glockengeläuts, die leeren Altäre, das verhängte Kreuz und die Leidensgeschichte Jesu bedrücken mich jedes Mal. Und dann die Osternacht, die Nachricht der Auferstehung Jesu, es wird hell in der Kirche und die Kerzen bringen das Licht zurück ins Leben. Jesus ist eben nicht eine Gestalt der Vergangenheit. Er lebt und als Lebender geht er uns voraus; er ruft uns, ihm, dem Lebenden, nachzugehen und so selber den Weg des Lebens zu finden. Das ist der Geist von Ostern. Von Anfang an ist Ostern deshalb das wichtigste Fest der Christenheit. Dieses Fest feiert die Auferweckung des Gekreuzigten, den Triumph des Lebens über den Tod, den Sieg der Hoffnung über die Angst.

Frohe Ostern!
Diakon Rudolf Düppe