Hinweise auf verminderte Steuerungsfähigkeit

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Menden/Arnsberg..  In der Strafverhandlung gegen die Eltern eines misshandelten Babys ist das Gericht jetzt mit unterschiedlichen Aussagen von Psychiatern zur angeklagten Kindsmutter konfrontiert.

Die vom Gericht bestellte Gutachterin sieht Anzeichen dafür, dass die junge Frau nach der Geburt des kleinen Mädchens eine Anpassungsstörung gehabt haben könnte. Diese Störung könne so stark gewesen sein, dass sie die Steuerungsfähigkeit der Kindsmutter beeinträchtigte. Das erklärte die Gutachterin gestern bei ihrer Aussage vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Arnsberg.

Als Ursache der Anpassungsstörung kommen demnach mehrere Belastungen infrage: Zur Tatzeit im Herbst 2012 habe sich die Kindsmutter überfordert gefühlt. Der Kindsvater beteiligte sich nämlich nicht an der Betreuung des Säuglings. Außerdem waren die Mutter und die Großmutter der Angeklagten kurz zuvor gestorben – beide waren wichtige Bezugspersonen und konnten bei der Kindererziehung nicht mehr helfen. Das Baby selbst war kränklich und ein „Schreikind“. Zusammen genommen attestiert die Gutachterin der Angeklagten „eine chronische Belastung mit kritischen Lebensereignissen“.

Ihre Diagnose steht damit im Gegensatz zu den Aussagen eines Psychiaters der Prinzhorn-Klinik. Dort war die Kindsmutter nach einem Suizidversuch Anfang 2013 behandelt worden. In der Hemeraner Klinik hatte man der Angeklagten eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, weil die Angeklagte als Kind selber von ihrem Vater misshandelt worden war.

Mit der Aussage der Gutachterin am Donnerstag geht die Beweisaufnahme in dem Verfahren langsam zu Ende. Am 11. Februar ist nächster Verhandlungstag. Die Plädoyers der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft sowie der Urteilsspruch werden für Anfang März erwartet.

Die beiden Eltern sind angeklagt, weil sie ihre zum Tatzeitpunkt erst drei Monate alte Tochter Ende 2012 nicht vor Misshandlungen geschützt haben sollen. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft konnten in den Ermittlungen im Vorfeld des Verfahrens aber nicht klären, wer von den beiden Eltern für die Taten überhaupt in Frage kommt.

Im Raum steht auch noch die Möglichkeit, dass eine dritte Person das Baby verletzt hat. Die 2. Große Strafkammer will deshalb klären, inwieweit die Eltern die Misshandlungen erkannt und dennoch nichts zum Schutz des Kindes unternommen haben.