Hexen-Paten für Ausstellung in Poenigeturm in Menden gesucht

Wollen gemeinsam an das düstere Kapitel in Mendens Geschichte erinnern (von links): Jutta Törnig-Struck, Dagmar Müller und Uta Lahme.
Wollen gemeinsam an das düstere Kapitel in Mendens Geschichte erinnern (von links): Jutta Törnig-Struck, Dagmar Müller und Uta Lahme.
Foto: WP
47 Hexenschreine sind bei einer Ausstellung im Poenigeturm zu besichtigen. Damit die Objekte dort ein ständiges Zuhause finden, braucht es 47 Kunst-Paten, die für die Summe von 200 Euro die Patenschaft übernehmen.

Menden.. Das Kunstprojekt „47“ mit seinen 47 Hexen-Schreinen der Künstlerinnen Ulla Brockfeld und Dagmar Müller war nicht nur in Menden, sondern unter anderem auch schon in Berlin in einer Kirche im Stadtteil Wedding ausgestellt.

Mit Hilfe von Patenschaften sollen diese Mendener Kunstwerke als ständige Ausstellung an einem Ort bleiben. Und was könnte sich dafür besser eignen als der Poenigeturm, in dem die vermeintlichen Hexen im Mittelalter auf ihren Tod warteten.

Von 1628 bis 1632 zählte die Mendener Bevölkerung etwa 1000 Personen, wenn dann 119 von ihnen im Zuge der Hexenverfolgung umgebracht wurden, gab es damals keinen Mendener, der von diesen schrecklichen Taten des Arnsberger Inquisitors unberührt bliebt. 47 zeitgenössische Protokolle, die peinlich genau diese Hexenbefragungen dokumentieren, liegen noch heute in der St.-Vincenz-Gemeinde. Für diese Dokumente des Tötens stehen sinnbildlich die 47 Hexenschreine.

„Sie sind der künstlerische Nachlass von Ulla Brockfeld, die die Kunst unserer Stadt sehr geprägt hat“, erinnert die Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck an die am 24. Mai verstorbene Künstlerin und fügt anerkennend hinzu: „Für mich war sie eine der besten Künstlerinnen in unserer Region.“

Die Schreine sind nicht aus Gold, sondern aus schwarzem Ton: „Ein echter Antiheld“, beschreibt Törnig-Struck die kleinen Gefäße. Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte. Sie haben Titel wie „Richterspruch“, „Dorte Hilleke“, „Tausendjährige Eiche“ oder „Brandgeld“ und stehen sinnbildlich für eine vierjährige Chronologie des Schreckens.

Um sie an diesem „absolut authentischen Ort“, wie die Museumsleiterin den Poenigeturm beschreibt, zu halten, sollen Patenschaften helfen. Für einen symbolischen Wert von 200 Euro kann einer dieser Hexenschreine für den Museumsverein angekauft werden und bleibt dann im Poenigeturm bestehen.

Schon 30 Teilnehmer gefunden

„Ulla sagte immer: An diese 119 getöteten Menschen ist nie gedacht worden“, erzählt ihre künstlerische Mitstreiterin Dagmar Müller. Jeder, der helfen möchte, dass diese düstere Episode in der Geschichte Mendens nicht in Vergessenheit gerät, der kann einen dieser Schreine erstehen.

Allerdings ist Eile geboten, schließlich haben schon 30 der 47 Schreine einen Paten gefunden. Wer Genaueres wissen möchte zu den noch offenen Stücken, der kann sich direkt an Jutta Törnig-Struck wenden, die eine Liste mit den Schreinen hat, die noch keinen Paten haben. „Die können natürlich auch vor Ort mit uns angesehen werden“, sagt sie.