Herr Kruschinski sollte selber das Kreuz tragen

Kreuztracht. Scheinbar leiden Sie, Herr Kruschinski, unter Amnesie. Wie kann es sein, dass sich ein Ratsmitglied der Stadt Menden zu einer solchen Äußerung hinreißen lässt? Vielleicht sollten Sie erst einmal Heimatkundeunterricht nehmen, bevor Sie solche Äußerungen tätigen. Die Straße des Begründers dieser schönen alten Tradition, Wennemar Schmittmann, ist nur einige Meter von Ihrem Büro entfernt. Sie sollten mal dort hingehen und ein Gebet sprechen und um Vergebung bitten.

Die Geschichte besagt, dass des Bürgermeisters Frau an der Pest erkrankt war. Und er tat ein Gelübde. Sollte seine Frau gesund werden und überleben, würde er ein Bußkreuz zum Berge tragen. Und seine Frau überlebte. Der Rest ist bekannt.

Und so entstand diese wunderbare, uralte Tradition, die für echte Mendener zu Ostern gehört wie das Turmblasen zu Weihnachten. Dies alles hat aber ganz bestimmt keine folkloristischen Hintergründe.

Ich selber bin schon als kleiner Junge mit meinem Großvater, Vater und Bruder mit der Prozession gegangen. Die Kleidung der Menschen damals war vornehmlich schwarz und grau. Eine Folkloreveranstaltung lebt von Trachtenkleidung und bunter Abwechslung. Diese Prozessionen sind nie und nimmer Folkloreveranstaltungen.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie und ich tragen nächstes Jahr gemeinsam das Kreuz über den Berg. Und danach erzählen Sie mir, ob Sie sich gefühlt haben, wie auf einer Folkloreveranstaltung. Und ich erzähle Ihnen im Gegenzug etwas über Glaube, Sitte, Heimat, Liebe zu Gott und Respekt vor alten Mendener Traditionen. Na, wie wär’s? Ich bin bereit und warte.