Helene Fischer singt prima in Trance

Frömern..  Ich besitze ein Autogramm von Picasso, und darauf bilde ich mir was ein. Obwohl dieser junge Herr Picasso, der da so hochkonzentriert auf die Leinwand starrt und seinen neuesten Picasso pinselt, nur begrenzte Kenntnisse seiner eigenen Kunst offenbart. Auf meine unschuldige Frage (ja, ich weiß, das ist gemein), was sein berühmtestes Werk ist, antwortet der Meister im weißen Malerkittel nach angestrengtem Überlegen: „Mona Lisa.“

Nun gut, die hat sein Kollege da Vinci gepinselt. Dem Picasso hier, diesem Picasso, sei’s jedoch verziehen, denn er ist in Wahrheit ja der Robin, welcher nur gerade in diesem Moment felsenfest glaubt: Ich bin Picasso, der berühmte Maler mit der blauen Phase. Robin ist in Hypnose. Und er greift als Picasso auf Zeit zu dem jenem Wissen, das eben Robin im realen Leben über Picasso abgespeichert hat. Zum Beispiel, dass sein berühmtestes Werk die Mona Lisa ist.

Zwei Stunden Staunen

Hypnoseshow bei Haeseler in Frömern. „Aiden & Zack“ haben geladen: Zwei junge, aufstrebende Show-Hypnotiseure, Aiden (Andreas) 25 Jahre, Zack (Daniel) gerade mal 21 Jahre alt. Die zwei fasziniert die Hypnose, daher also nach entsprechenden Seminaren die eigene noch junge Hypnose-Show. Ihre erste abendfüllende starteten sie aufgrund persönlicher Kontakte im Saal Haeseler in Frömern: Zwei Stunden Staunen, Mundaufsperren, lachend den Kopf schütteln und sich ständig fragen, wie machen die das? Und warum machen „die“ das mit, die freiwilligen Probanden? Gleichzeitig den ganzen Abend drei Kreuze dafür machen, dass man nicht selbst da vorn sitzt und sich zum Hampelmann macht.

Nein, jetzt mal ernsthaft. Aiden & Zack veralbern niemanden. „Hier wird keiner vorgeführt. Alles bleibt nett und harmlos“, verspricht Andreas, hält es auch. Robin, der daneben steht, hat bereits ausgiebige Hypnoseerfahrung bei Zack und Aiden. Der junge Mann - der zusammen mit Fabio, Thimo, Kevin, Dustin und Markus zur Hypno-Crew gehört - fällt auf „Schnipp!“ in Trance und hat in diesem Zustand z. B. genüsslich eine Zitrone verspeist, die komplette Frucht. Zuvor hatte ihm sein Kumpel Aiden freundlicherweise eingeimpft, er beiße hier in einen zuckersüßen Pfirsich. „Sie - die Zitrone - hat super geschmeckt, eben wie ein Pfirsich“, berichtet Robin. Auf „Schnipp!“ wurde er wach und spie das frisch abgebissene Zitronenstück angewidert in hohem Bogen aus: „Ihh bääh, wie sauer!!“ Zitrone halt. Sauer macht lustig. Lustig wird’s noch, zum Schreien lustig.

Bei mir klappt allerdings gar nichts. Aiden blickt mir tief in die Augen, fragt mich belangloses Zeug wie „Wie heißt du“, „Wie alt bist du“, blabla. „Jetzt schlaf!“ - Nix passiert, ich bleibe hellwach. Und tschüs, ich darf mich aus der Reihe der Freiwilligen gleich wieder verabschieden. Dann nicht. Zugucken macht hier auch diebisch Spaß.

Orchester in Trance

Die Reihe rechts von mir ist kollektiv auf Schlafbefehl ins Koma gefallen. Was für einen Quatsch die so mitmachen. „Ihr seid jetzt ein berühmtes Orchester“, befiehlt Zack-Daniel ihnen. „Ihr spielt das Konzert eures Lebens! So bald ihr die Musik hört, spielt ihr!“ Die Musik beginnt. Einer spielt hingebungsvoll Luftflöte, seine Nebenfrau bearbeitet mit Leidenschaft ein - ist das ein Luftcello? Tatsache. Franzi, die gerade eben neben mir auf Aidens Befehl „Schlaf!“ wie ein Sack zusammenfiel (nein, ich bin nicht neidisch), dirigiert, wie Karajan. Meisterlich. Das Orchester wacht auf, die Musiker lachen verlegen. „Was für’n Sch...“ Direkt wieder: „Schlaf!“ und kollektives Wegsacken.

Sie werden an diesem Abend noch ziemlich bekloppte Sachen anstellen und abgefahrene Aktionen starten: Wie irre durch den Saal rennen, sich panisch unter Tischen verstecken und im WC einschließen, weil sie glauben, sie seien Agenten auf der Flucht. Franzi, die hervorragend zu hypnotisieren ist, schmettert als Helene Fischer ekstatisch „Atemlos durch die Nacht“ und tanzt dazu. Im wiedererwachtem Franzi-Zustand kiekst sie schrill auf vor Pein, als ihr Daniel-Zack feixend berichtet, was sie gerade gemacht hat. „O Gooott, wie mega-peinlich!!“ Nö, überhaupt nicht. Es klang gut.

Noch mal, hier wird keiner gegen seinen ureigenen Willen vorgeführt. Die Hypnose-Probanden halten an diesem Abend im Saal Haeseler nur eben zeitweilig die Zahl 7 für die 8, zählen vollkommen selbstverständlich „... vier, fünf, sechs, acht, neun, zehn“ runter, faseln von Agent 008 und Schneewittchen und den acht Zwergen. Das ist alles sehr witzig, vor allem für Zuschauer natürlich, doch auch das Freiwilligenteam schüttelt sich in den Aufwachphasen immer wieder vor Lachen über diesen Quatsch, den es da treibt. „Wie fühlst du dich?“, fragte Andreas und Daniel ihre Versuchskaninchen zwischen den Trance-Phasen fürsorglich immer wieder. „Gut!“, kommt dann immer. „Super! Sehr entspannt!“ Eben, tiefenentspannt. Prima.

Meinen Picasso - mein Autogramm, das mir Robin-Picasso schwungvoll auf den Block wirft - werde ich in Ehren halten.