Hardwaresucht aus dem Nichts

Auch der Richter ist von der plötzlichen Serie überrascht.
Auch der Richter ist von der plötzlichen Serie überrascht.
Foto: WP
Ein 41-Jähriger aus Menden musste sich wegen mehrfachem Internetbetrugs vor Gericht verantworten. Doch das Verfahren konnte nicht bis zu einem Urteil geführt werden, denn ob es sich um kalkulierte Verbrechen oder Suche handelt, muss jetzt ein Psychiater klären.

Menden..  Was auf dem Papier noch wie ein einfach gestrickter Fall von Internetbetrug aussah, entpuppte sich bei der Verhandlung vor Gericht als unerwartet komplex.

Ein 41-jähriger Mann aus Menden musste sich wegen mehrerer Internetvergehen verantworten. Manchmal kaufte er Videospielkonsolen oder die neuesten Grafikkarten, ohne sie bezahlen zu können. Ein anderes Mal saß er auf der anderen Seite und bot im Internet auf Ebay und Ebay-Kleinanzeigen Computer-Prozessoren an, die er gar nicht besaß; die er sich aber von den gehörnten Kunden bezahlen ließ.

Ein Hochgefühl

Zeugen bedarf es keiner: „Ich räume meine Taten voll ein“, erklärte der Mann kleinlaut. Seitdem er seinen, nach eigener Aussage geliebten, Beruf als Vorarbeiter aufgrund schwerer psychischer Erkrankungen nicht mehr ausführen kann, fehlt ihm das nötige Kleingeld für sein Hobby. Wegen Hypochondrie, also eingebildeten Krankheiten, und schweren Depressionen hat er sich schon in die LWL-Klinik einweisen lassen. Sein Psychiater diagnostiziert: „Er handelt impulsiv und kontrolliert.“

Die Emotionen beim Einkaufen von Computerartikeln beschreibt der Angeklagte als „Hochgefühl“. Es halte ein paar Tage an, lege sich allerdings wieder schnell, wenn die Konsequenzen eintreten: „Dann liege ich nachts wach und denke an die Leute, denen ich geschadet habe.“

Doch auch wenn der Angeklagte sich einsichtig zeigt und man ihm zum Verhandlungszeitpunkt abnimmt, dass er sich ändern wolle, so gibt es einiges, was dagegen spricht.

Unter falschem Namen

Seine Ein- und Verkäufe hat er nicht blauäugig getätigt, sondern geplant und unter falschem Namen. Während er die drei Taten von Anfang des Jahres bereut, muss er zugestehen, dass noch drei offene Verfahren hinzukommen. Es wird noch schlimmer: Selbst einen Tag vor seiner Gerichtsverhandlung hat er einen PC-Artikel im Internet gekauft, den er gar nicht bezahlen könne.

Diese Taten verwundern auch Richter Martin Jung: „Jemand im mittleren Alter, ohne jegliche Vorstrafen, der aus heiterem Himmel eine Serie beginnt. Das ist schon ungewöhnlich.“ Allerdings warnt er den Angeklagten: „Bei gewerbsmäßigem Betrug kommt eine erhebliche Haftstrafe auf Sie zu.“

Ob und inwieweit es sich um vorsätzliche Taten handelt, das muss bis zur Fortführung der Verhandlung per Gutachten geklärt werden.