Handfesseln gesprengt undPolizei wüst beschimpft

Foto: Martina Dinslage

Menden..  Polizisten als Freiwild für massive Entgleisungen und wüste Beschimpfungen. Ein bereits vorbestrafter Mendener hat gestern dafür einen Denkzettel erhalten. Eine fünfmonatige Haftstrafe gegen ihn wurde nur deshalb zur Bewährung ausgesetzt, weil der Mann sich mitten in der Ausbildung befindet und familiär stark verwurzelt ist.

Für die Polizeibeamten waren es vielfach die am schwierigsten zu leistenden Dienste. Beim Public Viewing zur Fußball-EM im Sommer 2012 mussten sie stets auch mit Ausschreitungen und Gewalt rechnen. Der Mendener D. war bereits wegen seines auffälligen Verhaltens unter dem Rathaus-Zeltdach aufgefallen und des Platzes verwiesen worden. Als sich ihm dann vier Polizisten näherten, rastete er völlig aus.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen jeweils in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung und in einem Fall mit Beleidigung: Amtsgerichtsdirektor Festersen legte bei der Beweisaufnahme Wert auf die Langfassung der Beleidigungen: „Ich bin hart im Nehmen.“ Nicht, dass Festersen erpicht darauf gewesen wäre, in die 1. Liga der Fäkalsprache einzutauchen. Er wollte vor allem den Angeklagten mit jenen Begriffen konfrontieren, an die der sich nach eigenen Worten absolut nicht mehr erinnern konnte.

„Du W...“, Du P..., Du A...“ hatte der Festgenommene mehrfach lautstark die Polizeibeamten angebrüllt. Maßlos wütend darüber, weil sie ihn mit Einmal-Handfesseln fixiert und in den Polizeibulli bugsiert hatten. Schließlich lagen sogar zwei Haftbefehle gegen ihn vor. Mit Bärenkräften sprengte D. sogar seine Fesseln und ging die Beamten auch körperlich an. Treffer landete er mit der Faust bzw. den Füßen jedoch nicht.

Dass die Beamten überaus besonnen reagierten, imponierte sowohl Gericht als auch Staatsanwaltschaft. Festersen: „Man muss sich ja einmal vor Augen halten, unter welchen Belastungen die Polizei beim Public Viewing steht.“ Er betonte zudem, dass die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Strafe der letzte Warnschuss vor einer abzusitzenden Haftstrafe sind. Somit hat der Verurteilte auch Gelegenheit, einen Betrag von 600 Euro an die Polizeistiftung NRW zu zahlen. Bei monatlich noch frei verfügbaren 200 Euro zum Leben soll auch das erzieherische Wirkung mit sich bringen.