Hämmer 2: Erst verhandeln, dann buddeln

Holzen..  Bis zu 7000 Jahre alt könnte die Siedlung aus der Jungsteinzeit sein, die nach Axt- und Klingenfunden bekanntlich auf den Holzener Feldern vermutet wird – im künftigen Gewerbegebiet Hämmer 2. Doch bevor die Stadt, die als Investorin ins neue Gewerbegebiet teure Grabungen zu bezahlen hätte, dazu auch nur irgendeine Vereinbarung mit den Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) trifft, soll sie erst mit Grundstücksverhandlungen beginnen.

Das forderte Hubert Schulte (CDU) am Abend im Bauausschuss – und gab der Stadt damit die Marschrichtung vor. Schultes Gedanke: Sollten die Verhandlungen um den Kauf der Ackerflächen durch die Stadt oder die Vermarktung an interessierte Unternehmen platzen, gäbe es gar keine Grabung.

Auch Ernteverluste zu entschädigen

Tatsächlich hatten auch die Wissenschaftler gegenüber der WP erklärt, dass sie das Bodendenkmal nur deshalb jetzt dokumentieren müssten, weil es danach durch die Bauten im Gewerbegebiet unrettbar zerstört würde. Ansonsten könne es noch lange unerforscht, aber sicher unter der Ackerkrume ruhen.

Weil die Grabungen mindestens 200- bis 300 000 Euro kosten würden und schon die Planungen dafür mächtig ins Geld gingen, will Schulte zuvor sichergestellt sehen, dass das Gewerbegebiet auch wirklich in absehbarer Zeit kommt.

In dessen Norden würden dann „Sondage-Schnitte“ fällig, um zu erforschen, ob dort vor 7000 Jahren wirklich die ersten Mendener in Langhäusern siedelten. Indizien dafür gibt es dort, während der Süden von Hämmer 2 noch unbekanntes Land ist. Die geplanten Schnitte sind jeweils sechs Meter breit, 100 Meter lang, 40 Zentimeter tief und rund 30 bis 40 Meter voneinander entfernt. Weitere Begehungen, die den Verdacht auf eine Siedlung der „Rössener Kultur“ verstärken könnten, sind erst im Herbst oder Winter möglich. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür liegt laut den Ärchäologen bei 75 Prozent.

Besonders teuer würde nach Angaben der Verwaltung die Untersuchung der Hofstelle Riekenbrauck, weil hier auf der Suche nach Uralt-Bauernhöfen mehrere Schichten freigelegt werden müssten.

Die Stadt müsste nun eine archäologische Fachfirma für die Sondage-Schnitte beauftragen. Die Kosten für einen Schnitt betragen rund zehn Euro pro Quadratmeter, sodass sich für das gesamte Gelände Kosten bis zu 300 000 Euro errechnen lassen. Die Durchführung auf den Feldern würde wohl mehrere Wochen dauern.

Die Aufsicht der Sondierung erfolgt durch den LWL, die Grabung selbst würde durch die Fachfirma ausgeführt. Die Archäologen würden die Baustelle aber regelmäßig besuchen.

Sollte bei Sondagen ein Teil der Ernte vernichtet werden, stehe Landwirten grundsätzlich eine Entschädigung zu, stellt die Verwaltung weiter fest. Das wäre auch in Holzen der Fall. Und: Ergeben sich weitere Funde, müsse die Fläche noch erweitert und näher untersucht werden. Hierfür sei mit Kosten von bis zu 15 Euro je Quadratmeter zu rechnen, wenn flächendeckend ein Bodendenkmal gefunden wird.