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NPD-Abwehr

Gutachter: Gut Rödinghausen bringt Verlust von 440.000 Euro

21.01.2010 | 00:27 Uhr
Gutachter: Gut Rödinghausen bringt Verlust von 440.000 Euro

Menden. Die Abwehr eines möglichen NPD-Schulungszentrums wird Menden tatsächlich teuer zu stehen kommen: Bei einem Verkauf des Guts Rödinghausen wird die Stadt weniger als die Hälfte des Kaufpreises erzielen, den sie selbst gezahlt hatte.

Gutachter Eckhard Lohmann bestätigte damit am Mittwochabend im zuständigen Ausschuss die Informationen, über die die WESTFALENPOST bereits im Dezember exklusiv berichtet hatte . 800 000 Euro hatte die Stadt einst für das Gut Rödinghausen gezahlt, da sie befürchtete, dass sonst der inzwischen verstorbene NPD-Spitzenfunktionär Jürgen Rieger das geschichtsträchtige Gut kaufen würde.

Allenfalls 360.000 Euro

Wenn sie es jetzt wieder verkaufen würde, dann rechnet der Gutachter aber allenfalls mit einem Erlös von 360 000 Euro. Denn ein möglicher Käufer müsse mindestens weitere 200 000 Euro in das Anwesen investieren. Insgesamt würde ein Investor also 560 000 Euro aufbringen müssen — und dies ist für den Gutachter die Maximalsumme, um das Ganze überhaupt wirtschaftlich zu betreiben.

Mix aus Gastronomie und Wohnen

Für die künftige Nutzung hat Gutachter Lohmann aus Brilon sehr genaue Vorstellungen: Wie die WP bereits berichtete, sieht er in einem Mix aus Gastronomie im Keller und in den Sälen im Erdgeschoss sowie Büros und/oder (Ferien-)Wohnungen die einzige tragfähige Lösung. Alternativen wie etwa eine Seniorenresidenz oder auch die Veräußerung an die russisch-orthodoxen Kirche habe er zwar geprüft, sie seien aber nicht erfolgversprechend.

Öffentlich machen

Ein Blick ins Innere von Gut Rödinghausen. Foto: Martina Dinslage

Bei der Vermarktung müssen man sich an Lösungen orientieren, die möglichst wenig kostenträchtige Eingriffe verursachten und sich in den Bestand eingliederten. Die Geschichte und Bedeutung des Hauses solle herausgestellt werden, um die Wertschätzung zu erhöhen. Und die Stadt, so der Gutachter, solle schon aus Stadtmarketing-Gründen ein Interesse daran haben, das Gut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Einen Kreis von Investoren, die sich ein Engagement im Rahmen seiner Vorschläge vorstellen könnten, habe er bereits an der Hand, so Lohmann. Der wolle aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen, notwendig seien nun Detailgespräche mit der Stadt.

Kritische Fragen

Beschlossen wurde gestern noch nichts, die politische Diskussion wird erst beginnen. Von den Ausschussmitgliedern gab es aber einige kritische Nachfragen: zur vorgeschlagenen Nutzung, aber auch zum langen Zeitraum, den Lohmann für sein Gutachten benötigt hatte. Zudem gibt es noch viele Faktoren, die den Verkaufspreis für die Stadt weiter drücken könnten: Die fehlenden Parkplätze bei gastronomischer Nutzung oder ein steigender Erbpachtzins.

Michael Koch

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