Gregorianisch vorgetragene Schmachtfetzen sind zum Heulen schön

Menden..  Gänsehaut pur in der Walburgiskirche. Bei ihrem zweiten Gastspiel in Menden präsentieren „The Gregorian Voices“ erneut ein hochkarätiges Programm aus klassisch-gregorianischen Chorälen aus dem 9. bis 12. Jahrhundert, orthodoxen Gesängen, Liedern und Madrigalen der Renaissance und des Barock, sowie Klassikern der Popmusik. Dieses Mal aber nicht vor ausverkauftem Haus.

Waren zwei Jahre Pause zu kurz? Oder lag es doch eher an attraktiven Parallelveranstaltungen, dass so viele Bänke in der Walburgiskirche leer blieben? An der Qualität des Chores kann es nicht gelegen haben. Die acht ausgebildeten Sänger zeigen sich mit ihrem Programm „Gregorianik meets Pop“ bestens bei Stimme. In Mönchskutten gewandet betreten sie den in violettes Licht getauchten Altarraum und beginnen ihr Konzert mit einem „Ave Maria“. „The Gregorian Voices“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition der orthodoxen Kirchenmusik wieder zu beleben. Besonders die gregorianischen Choräle, einstimmige, unbegleitete liturgische Gesänge, beeindrucken zutiefst. Sie wirken fast schon meditativ. Die tief gesetzte Bassstimme tut ihr Übriges dazu, lullt den Zuhörer ein.

Der Abend ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst intonieren die Herren die klassischen ein- und mehrstimmigen Choräle. Sie bereiten das Publikum auf den zweiten Teil mit den Popsongs vor, stimmen erst „Pie Jesu“ aus Andrew Lloyd Webbers Totenmesse an, bevor sie sich mit „Ameno“ in die Pause verabschieden. Dieses Stück hat die Gregorianik ins kollektive Bewusstsein getragen wie kein zweites zuvor. Auch aus „nur“ acht Kehlen entfaltet das Stück seine unglaubliche Wirkung, verursacht Kribbeln und jagt einen Schauer nach dem anderen ins Publikum.

„Sailing“ als Schlusspunkt

Die Besucher sind begeistert, freuen sich auf den zweiten Teil. „Wegen der Popsongs habe ich mir überhaupt erst eine Karte gekauft“, erzählt eine Besucherin in der Pause. Eine andere regt an, dass ein weiteres Konzert eventuell in die Vincenzkirche verlegt werden könnte. Wegen der besseren Akustik. Das würde den Ohrenschmaus natürlich noch einmal verstärken.

Nach der Pause folgen noch zwei Choräle, dann setzt Leonard Cohens „Hallelujah“ ein. Zum Heulen schön! Es folgen regelrechte Schmachtfetzen wie John Lennons „Imagine“ und „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel. Letzteres leider stark eingekürzt. Nach Rod Stewarts „Sailing“ ist Schluss. Nicht in Menden. Die Menschen klatschen lauter und lauter, erheben sich von den Bänken. Nach ein paar Zugaben ist das Konzert dann aber wirklich vorbei. Das bulgarische Oktett ist jederzeit wieder herzlich in Menden willkommen. Auch in einem nur zu zwei Dritteln besetzten Veranstaltungsort.