Grandioses Konzert mit viel Sprachwitz

Menden..  Am Ende stand das Publikum freiwillig: Standing Ovations durften die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen am Sonntagabend auf der Wilhelmshöhe entgegennehmen, kaum dass der Radetzkymarsch als Klatschmarsch-Zugabe verklungen war. Mit einer grandiosen musikalischen Leistung hatte das Orchester einmal mehr überzeugt, und das galt erst recht für den mit Spannung erwarteten neuen Dirigenten, Generalmusikdirektor Rasmus Baumann.

Zum Auftakt hatten die Besucher allerdings unfreiwillig gestanden, und zwar am Eingang, wo es nicht voranging. Da es draußen eiskalt war und sich viele Gäste statt in Daunenjacken in eine eher dünne Schale geworfen hatten, empfanden viele dies als höchst ärgerlich. Zudem gab es einige Besucher, die das Ambiente als allzu karg empfanden (siehe Leserbrief nebenstehend).

Präzision und Leichtigkeit

Der Freude an der musikalischen Leistung eines brillanten Ensembles tat dies jedoch nur kurz Abbruch. Mit Webers Titel „Aufforderung zum Tanz“ stand die Titelmelodie dieses Silvester- und Neujahrskonzertes obenan. Auf Brahms’ Ungarische Tänze folgten die Slawischen von Antonin Dvořák. Zeichnete sich Baumanns Dirigat schon bis dahin bei aller Präzision durch augenzwinkernde Leichtigkeit aus, lief der junge Generalmusikdirektor bei Chatschaturjans „Galop“ im Stile eines Gehers zur Hochform auf. Baumann wird übrigens am 1. Februar 2015 um 20.15 Uhr bei der Ausstrahlung des Kölner Tatorts im Ersten in einer kleinen Fernsehrolle zu sehen sein – als Dirigent.

Als höchst amüsanter Moderator erwies sich indes Markus Wallrafen, der nach sieben Jahren des Musizierens im „Silvesterkonzert-Hausorchester“ der Mendener wieder das Mikrofon in Beschlag nehmen durfte. Er erzählte, dass Brahms für sein deutsches Requiem 1866 immerhin 2268 Mark erhielt, was heute rund 25 000 Euro entspreche. Fortan sollte Brahms sein Honorar selbst bestimmen. „Das dürfen heutzutage nur noch Dirigenten“, gab Wallrafen auch Rasmus Baumann noch einen Scherz mit.

Gags verschonen auch Fleige nicht

Die pure Freude an der Musik, die auch ein hochseriöses Sinfonieorchester an Straußens Walzermelodien empfindet, ohne es dabei auch nur eine Sekunde lang an Exaktheit gerade in den ruhigen Passagen fehlen zu lassen, kam zum Ende des Konzerts zur vollen Blüte. Zuvor hatte Schostakowitschs Tahiti Trot („Tea for Two“) den drei Tanz-Episoden Leonard Bernsteins vorangestanden. Wie Bernstein ist auch Baumann der Ansicht, dass keine U- und E-Musik gibt, sondern nur gute oder schlechte. Leonard Bernstein, der erste große Dirigent aus den USA, soll auf die Frage nach moderner Popmusik einmal geantwortet haben, dass ein Schostakowitsch in der heutigen Zeit mutmaßlich bei Depeche Mode spielen würde.

Dass sich das Orchester aus dem Ruhrgebiet mittlerweile wie zuhause fühlt, war an vielen Stammgästen wie auch am lockeren Conférencier abzulesen. Wallrafen nahm sich auch Bürgermeister Volker Fleige zur Brust: Dessen Abwesenheit erklärte er mit der Gründung der ersten Inselpartnerschaft Mendens – mit Tahiti: „Die Perle der Südsee und das Tor zum Sauerland: Das passt!“ Den ersten 20 Konzertbesuchern, die anderntags im Kulturbüro anriefen, wolle Fleige aus eigener Tasche je eine dreiwöchige Tahiti-Kreuzfahrt spendieren – „oder ich habe da irgendwas falsch verstanden...“ So hatte das Orchester nicht nur stets großen Applaus, sondern auch die Lacher auf seiner Seite.