Götterdämmerung: Wagner darf bleiben

Menden..  Gegen die Stimme von Thomas Thiesmann (Die Linke) und bei Enthaltung von Stefan Weige (FDP) lehnte der Hauptausschuss am Dienstag einen Bürgerantrag ab, der die Entfernung des Namens von Richard Wagner vom Straßenschild im Lahrfeld zum Inhalt hatte. In dem Antrag ist von „Hysterie“ die Rede, die es jetzt um Dichternamen wie Maria Kahle, Heinrich Lersch oder Ina Seidel als NS-Verherrlicher gebe.

Kommission soll prüfen

Laut Bürgermeister Volker Fleige gibt es bereits die vom Rat beauftragte Kommission, die Mendener Straßennamen auf Zusammenhänge mit der Nazizeit überprüfen und gegebenenfalls Vorschläge für Umbenennungen unterbreiten soll. Fleige erklärte, dass Richard Wagner, der von 1813 bis 1883 lebte, Antisemit gewesen sei. Zugleich werde er als großer Komponist jährlich mit den Festspielen in Bayreuth geehrt. Es mute im Rest der Republik daher wohl eher seltsam an, wenn in Menden jetzt eine Namensdebatte dazu anheben würde. Daher empfehle die Verwaltung die Ablehnung des Antrags. Während CDU, SPD, und Grüne dem folgten, sah Weige den Bürgerantrag als „gleichwertig“ an, Thiesmann wollte den Namen Wagners „der Kommission überlassen“. Mirko Kruschinski (SPD) entgegnete, die Kommission solle NS-Hintergründe prüfen – „deshalb verstehe ich dieses Ansinnen nicht.“

Umstrittenes Thema

Die Umbenennung von Straßen, die nach Sympathisanten der Nazis heißen, ist seit Jahren ein umstrittenes Thema in Menden. Es hatte bereits mehrfach Bürgeranträge für Umbenennungen gegeben. Eine Gruppe um die Mendenerin Janine Bauer hatte im Sommer 2013 die Diskussion angestoßen und Bürgermeister Volker Fleige einen entsprechenden Bürgerantrag sowie eine Liste mit rund 70 Unterstützer-Unterschriften übergeben.

Die Antragsteller warfen unter anderem Ina Seidel (1885-1974) vor, sich mit der Ideologie des Nationalsozialismus identifiziert und sich am Führerkult beteiligt zu haben. Maria Kahle (1891-1975) wird vorgeworfen, dass die Werke der 1920er und 1930er Jahre von ihrer völkisch-rassistischen Weltanschauung geprägt waren. Sie habe als Parteigängerin das Nazi-Regime bis in die Endphase des Zweiten Weltkriegs bedingungslos unterstützt.

Entscheidend für die Einsetzung der Kommission durch den Stadtrat war indes ein von der Initiative unabhängiger Antrag des Mendener Grünen-Ratsherrn Stefan Band.