Gern geschehen

Alles beginnt damit, dass ich dringend Kontoauszüge holen muss. Klingt nicht spannend? Kommt noch. Denn auf dem Rückweg von der Bank in der Innenstadt zum Parkplatz am Schlachthof führt mich mein Weg auch am Südwall vorbei. Ich schlendere nichtsahnend um die Ecke. An der Bushaltestelle eine Mutter mit Kind im Buggy. Sie stellt den Kinderwagen ab, dreht sich zum Fahrplan – und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Offensichtlich hat die Mutter das Gefälle auf dem Bordstein nicht bedacht. Der Kinderwagen kommt ins Rollen – erst langsam, dann immer schneller. Ich sehe das Horrorszenario schon vor meinem geistigen Auge, fange an zu rennen, zu rufen, zu winken. Der Kinderwagen, inzwischen schon an der Bordsteinkante angekommen, ist auf dem besten Weg, auf die Straße zu rollen. Ich höre ein Auto kommen.

Gott sei Dank: Es sieht den Kinderwagen – und bremst ab. Ich atme auf. Auch betroffener Mutter fällt auf, dass etwas nicht stimmt, sie läuft auf die Straße und holt den Kinderwagen zurück auf den Gehweg. Der Autofahrer hupt kurz und fährt weiter. Die Mutter, inzwischen wieder mit dem sicher geparkten Kinderwagen in ihrer Nähe, schaut dem Auto nach, dreht sich mit ernster Miene zu mir, ja, schaut in meine Augen und – schüttelt abfällig den Kopf. Wenn Sie das hier lesen, liebe unbekannte Mutter von unbekanntem Kind: gern geschehen.