Gerichtsposse wegen Trunkenheit am Steuer

Auch die Polizei ertappte den Angeklagten nicht am Steuer des Fahrzeuges.
Auch die Polizei ertappte den Angeklagten nicht am Steuer des Fahrzeuges.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Vor dem Amtsgericht wurde der Fall eines Mendeners verhandelt, der ohne Fahrerlaubnis und alkoholisiert ein Fahrzeug gefahren haben soll. Doch die Hauptzeugin gibt eine völlig andere Aussage als noch bei der Polizei. Der Angeklagte macht den Fall zur Posse.

Menden..  Ein Gerichtsverfahren wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss und ohne im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein entpuppte sich vor dem Amtsgericht Menden als Posse.

Angeklagt war ein 54-jähriger Rentner aus Menden, der bei Beginn der Verhandlung Amtsrichter Martin Jung darauf aufmerksam machte, dass er nicht so lange Zeit habe. Schließlich müsse er um 11.12 Uhr den Zug nach Polen kriegen. Verdutzt blickte der Richter auf die Uhr, die 10.40 Uhr zeigte. Die Verhandlung hatte noch nicht begonnen, drei Zeugen standen auf dem Programm: „Den Zug werden sie wohl verpassen“, so der Richter.

Das Verfahren hielt den vom Angeklagten vorgelegten Grad an Skurrilität problemlos durch.

Eine Lügnerin

Objekt der Begierde war ein Auto, dass dem Angeklagten gehörte und das er seiner Ex-Frau zur Verfügung gestellt hatte. Ein netter Zug, möchte man meinen.

Im Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, dass er das Fahrzeug als Druckmittel benutzt hatte. Jedes Mal wenn er getrunken hatte, holte er sich die Autoschlüssel von seiner Ex-Frau ab und versteckte den Wagen. Natürlich nicht selbst, sondern mit Hilfe eines Freundes aus Polen, der den Wagen fährt – selbiges laut Angeklagtem auch am Tattag.

Die Aussage seine Ex-Frau war anders: Nachdem er ihr den Schlüssel abgenommen hatte, sei er zu dem Auto gerannt und weggefahren – das sagte sie zumindest der Polizei.

Vor Gericht hörte sich das ganz anders an: „Nach Überlegung bin ich dazu gekommen, dass ich nicht gesehen habe, dass er gefahren ist.“

Auch die Geschichte mit dem Freund aus Polen sei nicht ungewöhnlich: „Wenn ich es nicht habe, dann fährt halb Menden mit dem Auto“, sagte die Zeugin. Sie verstrickte sich in widersprüchliche und unlogische Aussagen. Richter Jung ermahnte sie ungewohnt laut, da brach sie plötzlich in Tränen aus: „Ich bin eine Lügnerin.“

Aussagen verweigert

Weitere Aufklärung sollten ihre Mutter und Tochter bringen. Doch erstere sprach nicht ausreichend Deutsch, die andere wurde nicht als Zeugin vorgeladen. Die Verhandlung wurde vertagt. Als in der Fortsetzungsverhandlung eine extra für die Mutter bestellte Dolmetscherin vor Ort war, verweigert die ältere Dame die Aussage. Um ihre Mutter nicht zu belasten, verweigerte auch die Tochter auszusagen.

Ob er nun selbst am Steuer saß oder nicht, kann dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Siegesgewiss nahm er am Fortsetzungstag lässig mit einem orangenen T-Shirt und Schlappen bekleidet seinen Freispruch entgegen. „Ihre Geschichte ist unglaubwürdig, aber möglich“, sagt Richter Jung. Auch für die Aussage der Ex-Frau, die den Angeklagten mit ihrer Anzeige erst vor Gericht brachte, findet der Richter harsche Worte: „Ihre Aussage wimmelt von merkwürdigen Details. Sie kuscht vor dem Angeklagten.“