Gefängniszellen waren für Kinder ein spannender Ort

Diese ehemalige Gefängniszelle im Alten Rathaus ist heute Lagerraum für das Museum.
Diese ehemalige Gefängniszelle im Alten Rathaus ist heute Lagerraum für das Museum.
Foto: WP

Menden..  Auf unseren Bericht über die ehemaligen Polizeizellen im Keller des Alten Rathaus haben die ersten Leser reagiert. Zum Gerücht über Kinder, die die Insassen geärgert hätten, meldete sich Liselotte Kröner. „Das ist kein Gerücht“, sagt sie, „ich war eines dieser Kinder“.

Stöckchen durchs Gitter gesteckt

Liselotte Kröner erinnert sich, dass sie Ende der 1940-er Jahre, also kurz nach Kriegsende, mit ihren Freunden immer mal wieder durch das Kellerfenster in die Zellen des Rathauses lugte. „Es sprach sich schnell herum, wenn mal wieder Jemand drin saß, dann kamen alle Kinder angelaufen.“ Die Kinder hätten auf dem Bauch vor dem Kellerfenster gelegen und durch das Fenster geschaut. Viel erkennen konnten sie im Dunkel des Kellers nicht.

„Wir haben Stöckchen reingehalten, wenn einer danach griff, sind wir gerannt“, berichtet sie. „Das war ungeheuer spannend.“

Auch Wolfgang Jürgens hat als Kind noch die Zellen „in Betrieb“ erlebt. Sein Großvater fuhr mit ihm als Enkelkind hin und wieder in den fünfziger und sechziger Jahren mit dem Autobus vom Hönnetal nach Menden zum Schuheeinkaufen, berichtet er per E-Mail. In der Nähe des Schuhkaufhauses befand sich das Rathaus, „zu dem ich immer neugierige Fragen stellte“. Der Opa habe dann erklärt, „im Keller werden die für eine Nacht eingesperrt, die betrunken ein Auto oder Motorrad gefahren sind oder Polizisten beleidigt oder geschlagen haben“. Für eine Nacht mussten diese bei Brot und Wasser dort bleiben. „An diese Aussage kann ich mich noch gut erinnern, da ich seit der Aussage als Kind gehörigen Respekt vor diesem Haus hatte.“

Die drei ehemaligen Polizeizellen im Alten Rathaus von Menden dienen heute dem städtischen Museum als Lager für Exponate. Ganz in der Nähe, in Lüdenscheid, sind solche Polizeizellen hingegen zu einer Gedenkstätte umgewidmet worden. Denn in vielen Kellerkammern wurden zur Zeit des Dritten Reichs nicht nur Kriminelle, sondern auch politische Häftlinge oder Juden inhaftiert. Für Menden steht fest, dass dieses Schicksal auch Robert Leusmann erlitt. Der spätere Leiter des Walram-Gymnasiums wurde 1933 dort eingesperrt. Er war in der Zentrums-Partei aktiv gewesen.