Gastfreundschaft beim Fest unterm Zeltdach
26.10.2008 | 17:15 Uhr 2008-10-26T17:15:00+0100
Menden. Türkische Spezialisten, türkische Folklore und türkische Gastfreundschaft: Der Rathaus-Innenhof verwandelte sich am Samstag in einen bunten Festplatz zum 30-jährigen Bestehen der türkisch-islamischen Gemeinde.
Einziger Wermutstropfen: Die Gemeinde blieb mit ihren (deutschen) Gästen und den deutschen Offiziellen beinahe unter sich.
Türkische Volksmusik schallte unter dem Zeltdach. Im Wind wehte die rot-weiße Nationalflagge der Türkei mit dem Halbmond. Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Gemeinsam in die Zukunft”. Die Plattform für ein interkulturelles Fest war geboten. Die Mendener Muslime zeigten sich offen für jedermann.
Hinzu kam ein vielfältiges Programm: Ein Feuerspucker sorgte für Aufsehen. Eine vierköpfige Band spielte nach dem offiziellen Teil türkische Soul-Musik, ehe eine junge türkische Folklore-Gruppe aus Werl einen traditionellen Tanz aufführte — am Rande türkische Gerichte und nicht zuletzt eine Kunstausstellung sowie eine Pressewand zur Berichterstattung über Aktivitäten in der Gemeinde. Für die Muslime waren Gebetsräume im Bürgerhaus eingerichtet worden.
Trotz des festlichen Rahmens: Über dem Fest schwebte das Damoklesschwert der Integration: Wie hat sich die Gemeinde in den vergangenen 30 Jahren in Richtung abendländischer Kultur in Menden entwickelt? 1978 in Lendringsen an der Hauptstraße gegründet, zog die Gemeinde mit der Eröffnung der Moschee 1986 an die Grimmestraße um. „Das ist für uns heute nicht nur ein Ort zum Beten, sondern auch ein Ort des Zusammenkommens, wo man sich bilden und mit Problemen hinkommen kann”, sagt Gemeindekoordinatorin Hacer Sepetci. Dort würden unter anderem Deutsch-Kurse speziell für Frauen angeboten. Während die Muslime in dritter und vierter Generation nicht mehr die Sprachprobleme wie früher hätten, bestehe für die Zukunft besonders in der Bildung Handlungsbedarf. „Wir brauchen mehr Abiturienten”, meint Sepetci.
Dafür werteten die deutschen Offiziellen die Bemühung, sich in Menden zu integrieren, als gelungen an. „Es ist ein Zeichen, dass sie nicht in ihren Räumen in der Grimmestraße, sondern im Zentrum unserer Stadt feiern”, so Bürgermeister Rudolf Düppe — symbolisch dafür, „dass sie in Menden integriert sind”. Auch Frank Fiedler, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, sah eine positive Zusammenarbeit: „Es ist eine Gemeinde, die sich auszeichnet durch Gastfreundschaft und Offenheit.”
Eine Gastfreundschaft allerdings, die am Samstag nur von wenigen Mendenern beansprucht wurde: Überwiegend erschienen geladene Gäste oder die offiziellen Vertreter. Nur vereinzelt kreuzten Privatpersonen den Rathausinnenhof. Etwas enttäuscht zeigte sich daher Akif Birkent, Sprecher der Gemeinde: „Es hätte weniger, es hätte aber auch mehr sein können”, so sein Fazit zu der Resonanz Auswärtiger.
Hacer Sepetci sieht ihre Gemeinde daher selbst in der Pflicht: „Wir werden immer weiter machen, bis die deutschen Mitbürger keine Hemmungen mehr haben, auf uns zuzugehen.” Auch politisch will die türkisch-islamische Gemeinde mitmischen, „um zu zeigen, dass wir Mendener sind”. Nur acht Prozent der Eingebürgerten gingen wählen. „Wir wollen mehr dazu bewegen, nächstes Jahr zur Wahl zu gehen.” Eigene Kandidaten stünden nicht zur Debatte — noch nicht.
Kommentar von Tobias Patzkowsky: "Mendener müssen Hand selbst ergreifen"
Mit dem Fest unter dem Zeltdach hat die türkisch-islamische Gemeinde gezeigt, dass sie einen offenen Dialog führen will. Doch das Interesse der Mendener Privatpersonen hielt sich in Grenzen. Die Gemeinde hat damit aber einen Schritt auf die Mendener zugemacht. Die Mendener Bürger — nicht nur Freunde und Offizielle — müssen die ausgestreckte Hand jetzt selbst ergreifen, soll die Integration wirklich gelingen. Das ist nämlich die andere Seite von Integration: Nicht nur Bürger mit Migrationshintergrund müssen sich auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung berufen, ohne ihre kulturellen Wurzeln zu verleugnen. Auch die Mendener müssen auf der Gegenseite der Gemeinde eine Möglichkeit geben, mit ihnen einen offenen Dialog zu führen. Bis diese Hemmschwelle abgebaut ist, muss die türkisch-islamische Gemeinde aber wohl noch viel Überzeugungsarbeit leisten.
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Danke an Westfalenpost..Bei sollche Veranstaltungen immer da sind.