Für totes Baby weiter das Elterngeld kassiert

Menden/Fröndenberg.. „Sie sollten mich hier nicht zu ihrem Stammrichter machen“. Der 30-jährige Fröndenberger, der vor dem Amtsgericht Menden stand, war Richter Festersen wohl bekannt. 15 Eintragungen in das Strafregister hat der junge Mann schon auf seinem Konto. Jedoch musste er sich wohl noch nie für solch skurrile, aber auch tragische Fälle verantworten.

Ihm wurde vorgeworfen, zusammen mit seiner Noch-Ehefrau neun Monate lang Elterngeld für ihr Kind kassiert zu haben, obwohl dieses zwei Tage nach seiner Geburt verstorben war. Da der Angeklagte jedoch seit dem Tod des Kindes von der Frau getrennt lebt und die Scheidung eingereicht hat, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt – nicht jedoch das gegen seine Noch-Ehefrau.

Neben diesem Vorwurf mit einem tragischen Ursprung, stand der 30-Jährige aber auch wegen skurrilen Vorwürfen vor Gericht: Er wurde beschuldigt, in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres in 28 Fällen je einen Einkaufskorb einer großen Einkaufskette entwendet und mit zu sich nach Hause genommen zu haben. Der Warenwert der Körbe beträgt drei Euro pro Stück. Was er mit den Einkaufskörben gewollt hat, blieb unklar. Unter die Rubrik „Unverfroren“ fiel auch ein weiterer Anklagepunkt: Der 30-Jährige soll sich als Verantwortlicher für eine in Fröndenberg zur Vermietung stehende Wohnung ausgegeben haben. So soll er dann von einem jungen Mietinteressenten unberechtigterweise 250 Euro Kaution kassiert haben.

Diese beiden Anklagepunkte gestand der 30-jährige auch. Da er seit den Taten jedoch nicht mehr strafrechtlich auffällig geworden ist, zeigte sich Richter Festersen gnädig: Er verhängte eine fünfmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung, mit der Auflage, die noch offenen Beträge zu bezahlen und 2000 Euro zu spenden.