Für Retter gilt: ,,Oma, Dackel, Rembrandt!“

Menden..  Reglos liegt der eingeklemmte Mann unter seinem Auto, nachdem ihm der Wagenheber abgerutscht ist. Hilflos wartet er auf die Retter der Feuerwehr, die heute mit ihren drei Praktikantinnen Leonie Becker, Lara Mackenbruck und Vivien Wegener zu Hilfe eilen. Die 14-jährigen Schülerinnen – Leonie und Lara sind auf der Realschule Lendringsen, Vivien besucht die Gemeinschaftsschule Neuenrade – sollen der Feuerwehr bei einer Übung auf dem Hof der Hauptwache am Überwurf helfen. Es gilt die menschengroße Puppe zu retten, die unter dem Wagen eingeklemmt ist. Die Mädchen dürfen jetzt die Puppe mit Hochdruck-Hebekissen, die 20 Tonnen hieven können, per Fernsteuerung retten.
Danach hat der 35-jährige Feuerwehrmann Matthias Kimna eine andere Übung parat: den Umgang mit einem 15 Meter langen Löschschlauch. Erst sind sie zögerlich, dann beweisen die Praktikantinnen Mut und „löschen“ kräftig drauflos. Kimna erklärt an diesem sonnigen Girls’- und Boys’Day, dass die Feuerwehr in Minuten am Einsatzort sein muss, wie sie bei einem Unfall oder Brand vorgeht – und dass Eigenschutz die erste Maßnahme ist. „Die Devise, nach der wir dann vorgehen, lautet: Oma, Dackel, Rembrandt“, schmunzelt Kimna. Das bedeute, dass zuerst die Menschen, dann die Tiere und zuletzt Eigentum wie Häuser, Autos, Wertsachen oder teure Gemälde (wie ein Rembrandt) an der Reihe sind. „Also ist das Wichtigste für uns, zuerst die Menschen zu retten“, macht Kimna den drei Mädchen klar.

Er erzählt auch, was eine gute Feuerwehrkraft alles können muss: ,,Man muss nicht nur stark sein, sondern auch eine gute Kondition haben und technisches Grundverständnis.“ Für Feuerwehrleute gelten hohe Anforderungen, weil sie in jeder Situation bereit sein müssen, weiß der Ausbilder.

Duale Ausbildung gefragt

Angehende Feuerwehrkräfte müssen nach ihrer achtzehnmonatigen Grundausbildung eine ebenso lange medizinische Ausbildung absolvieren. In Menden ist dank dieses dualen Systems jeder in der Lage, im Brandschutz wie auch im Rettungswagen Dienst zu tun. Bei einem Einsatz wie dem mit der Puppe erfolgt zuerst die medizinische Grundversorgung. „Jeder Feuerwehrmann muss am Einsatzort wissen, was der andere macht“, beschreibt Kimna die Teamarbeit. „Es gibt keinen Egotrip.“

Wenn etwas passiert ist, alarmiert die Leitstelle in Lüdenscheid die Mendener Wache, die Wehrleute erfahren die Lage über ein Funkgerät, das sie immer bei sich tragen. Und dann? „Dann müssen wir dass sie innerhalb von sechzig Sekunden vom Hof sein“, sagt Kimna.

Der Feuerwehrmann freut sich sichtlich über das Interesse der Mädchen, denn auch die Mendener Wehr will am Girls’- und Boysday für diesen Beruf werben. „Wir hoffen immer, dass sich junge Leute in ein paar Jahren für die Feuerwehr entscheiden.“