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Franz-Josef Oberkampf wird 70 Jahre

21.01.2015 | 11:00 Uhr
Franz-Josef Oberkampf wird 70 Jahre
Franz-Josef „Menne“ Oberkampf mit Daniel und Ulla.Foto: Heinz-Jürgen Czerwinski

Menden. Es dürfte kaum Mendener geben, die ihn nicht kennen. Franz-Josef (Menne) Oberkampf, Wirte-Original und seit Jahrzehnten Vorsitzender des Wirtevereins Menden, vollendet heute, Mittwoch, sein 70. Lebenjahr. Eine Feier wird es am Jubiläumstag nicht geben. Die wird im Februar stattfinden, wenn Ursula Oberkampf ebenfalls 70 Jahre alt wird.

Das vielleicht schönste Kompliment formulierte Sohn Daniel Oberkampf gegenüber der WP: „Ich ziehe den Hut vor dem, was mein Vater und meine Mutter geleistet haben.“ Daniel Oberkampf, selbst gelernter Restaurantfachmann und Koch, weiß aus der Familiengeschichte nur zu gut, unter welchen schwierigen Bedingungen sein Vater einst starten musste. Denn seine Großeltern waren früh verstorben: „Mein Vater war gerade mal 25 Jahre, als er plötzlich die gesamte Verantwortung übernehmen musste.“

Franz-Josef Oberkampf war zuvor einer Familientradition gefolgt. Seit Gründung des Hauses Oberkampf im Jahr 1848 hatten all’ seine Wirte-Vorfahren jeweils den Bäckerberuf erlernt. Obwohl Menne mit größter Tatkraft und Optimismus startete, konnte er nicht ahnen, dass unter seiner Leitung der Familienbetrieb einmal zum „1. Haus am Platz“ mit Strahlkraft in die Region werden sollte.

Ob Schützenvereine, Klassengemeinschaften bei ihren Treffen oder die heimischen Lions-Freunde: Für sie alle ist das Haus Oberkampf beliebter Treffpunkt. Und unzählige Mendener kommen sowieso zum Kirchplatz, um schöne Stunden genießen zu dürfen. Ebenso auswärtige Gäste.

Es gab im Laufe von Jahrzehnten sogar viele bundesweit prominente Gäste. Sie dürfte am meisten beeindruckt haben, dass es nicht einen Hauch Sonderbehandlung gab und die Intimsphäre geachtet wurde. Und dieses Selbstverständnis hat Daniel Oberkampf verinnerlicht: „Jeder Gast ist uns wichtig wie ein König.“

Rollen klar verteilt

Jubilar Franz-Josef Oberkampf hat für viele denkwürdige Frühschoppen und Abende in seinem Haus gesorgt. Dabei war die Aufgabenteilung immer klar abgesprochen: Er sozusagen als Frontmann mit seinem Team ganz nah am Gast, Gattin Ursula die unumschränkte Chefin in der Küche. All’ das geschah in einem besonderen Umfeld.

Für heutige Zeiten nicht mehr denkbar: Sozusagen Wand an Wand zum Haus Oberkampf, befand sich die Gaststätte Kubikmeter; direkt auf der anderen Straßenseite Alt Menden; gut 30 Meter entfernt gab es am Ostwall und an der Stadtmauer zwei weitere Gasthäuser; noch bis in die 1970er Jahre hinein befanden sich an der Hauptstraße mehrere Dutzend Wirtschaften.

Menden durfte sich gar rühmen, in Bezug auf die Kneipendichte – gemessen an der Zahl der Anwohner – mit führend in Europa zu sein. Doch Menne Oberkampf warnte frühzeitig: „Es werden nicht alle überleben können.“ Und so sollte es kommen.

„Ich habe viele Kollegen kommen und gehen sehen. Viele können nicht mehr rentabel den Betrieb führen“, sagte er immer wieder dem WP-Chronisten. Kollegenschelte hat er jedoch nie betrieben.

Der große Umbau

Das Aus des Nachbarn Kubikmeter – später Cheers – führte im Jahr 2008 zur weitreichendsten unternehmerischen Entscheidung in der so traditionsreichen Familiengeschichte. Mit einem großen Umbau wurden die Nachbarräume in das Haus Oberkampf einbezogen. Mit nunmehr noch einmal deutlich mehr Platz folgte mittwochs die Einführung des „Mendener Abends“, an dem ab 18 Uhr ein Buffet angeboten wird. Viele regionale Gerichte gehören regelmäßig dazu.

Im Herbst 2011 hatte der Familienrat beschlossen, ganz bewusst wieder einen Mittagstisch anzubieten. Im Grunde war es die Aufnahme eines Retro-Trends. Das Angebot besteht bis heute.

Seit Jahrzehnten verfolgten Franz-Josef und Ursula Oberkampf vor allem eine Philosophie: „Ein Gasthaus muss für den Menschen dasein.“ Doch was so einfach klingt, muss Tag für Tag mit Leben gefüllt werden. Vielfach auf Kosten der eigenen Kräfte.

Aber Familienmensch Franz-Josef Oberkampf legte stets Wert darauf, dass es Rückzugsmöglichkeiten gab. Auch in diesem Jahr gab es beispielsweise für den Heiligen Abend eine ­Fülle von Nachfragen. Der Hausherr lehnte freundlich, aber bestimmt ab. Ein wenig Zeit an den Festtagen sollte für seine Frau, die Kinder Kirsten und ­Daniel sowie die Enkel bleiben.

An ein Aufhören ist nicht zu denken. Der Hausherr zeigt nach wie vor Präsenz, wenn auch nicht mehr regelmäßig in der ersten Reihe. Daniel Oberkampf: „Wenn aber wirklich Not am Mann ist, springt mein Vater ein. Ich bin dankbar, dass ich mich auf ihn verlassen kann.“

Der große Festtag fällt ausgerechnet auf den extrem publikumsintensiven Mittwochabend. Deshalb wird das Haus Oberkampf definitiv den Gästen gehören. Franz-Josef Oberkampf – so ist es von ihm geplant und gewollt – wird dann ausnahmsweise weit hinter den Kulissen weilen.

Magistrat mit Bedenken gegen Schankerlaubnis

Im Jahr 1847 hatte der Bäcker Christoph Oberkampf um eine Schankerlaubnis gebeten.

Der Magistrat sah „streng genommen kein Bedürfnis zur Errichtung der Schankwirtschaft in Menden“, gab aber mit Schreiben vom 13. Januar 1848 sein Einverständnis und verkündete den Beschluss am 17. Januar.

Heinz-Jürgen Czerwinski

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2015-01-21 11:00
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