Feuerwehr kämpft weiter gegen das Hochwasser
13.11.2010 | 14:04 Uhr 2010-11-13T14:04:00+0100
Menden. Land unter in Menden: Die heftigen Regenfälle haben zu großen Schäden geführt. Gut 200 Feuerwehrleute waren und sind immer noch im gesamten Stadtgebiet im Einsatz. Spektakulär war ein riesiger See, der sich in Frielingsen gebildet hat.
Nach den heftigen Regenfällen in der Nacht und den immer zahlreicher werdenden Anrufen stand für die Mendener Feuerwehr um 9 Uhr am Samstagmorgen fest: Hier handelt es sich um keine kurzfristig angespannte Lage, der Regen würde die Einsatzkräfte vielmehr noch lange Zeit beschäftigen. Es wurde Stadtalarm ausgelöst, das heißt alle Löschzüge wurden per Sirene alarmiert.
Bis zum Nachmittag schon 600 Anrufe
Bis zum Nachmittag musste die Zentrale an der Feuerwache etwa 600 Anrufe abarbeiten. Wegen der Fülle der Anrufe musste die Feuerwehr einige Anrufer, die von überflutetet Kellern berichtet hatten, zunächst bitten, sich so gut wie möglich selbst zu helfen. Denn die Einsatzkräfte musste sich erst um die dringendsten Stellen kümmern. Dies waren vor allem:
Trinkgut-Parkplatz wurde binnen Minuten zu einem See
1. Frielingsen: Der Parkplatz des Getränkemarktes Trinkgut in Frielingsen hielt die Einsatzkräfte am längsten in Atem. Dort fließt der Wannebach eigentlich in einen durch ein Gitter geschützten Abfluss, der den Bach unter der Westtangente durch in die Hönne führt. Doch dieses Gitter hatte sich durch Laub und ähnliches vollgesetzt. Weil der Wannebach nach dem Starkregen zu einem reißenden Gewässer geworden war, stauten sich nun an diesem Engpass die Wassermassen so massiv, dass der Parkplatz in einer Senke binnen kürzester Zeit zu einem großen See wurde.
Da das Ganze so früh am Morgen geschah, war der Parkplatz noch nicht voller Autos, ein Pkw jedoch stand tief im Wasser. Da sich über dem Getränkemarkt auch Wohnungen befinden, waren die Anwohner dort für längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten – sie mussten auch ohne Strom und Heizung auskommen. Eine junge Mutter mit ihrem sieben Monate alten Säugling wurde von der Feuerwehr aus dem Haus gebracht, die anderen Bewohner harrten dort aus.
Zunächst versuchte die Feuerwehr (Löschzug Mitte) mit drei eigenen Pumpen der Wassermassen Herr zu werden, doch dann wurde das Technische Hilfswerk zu Hilfe gerufen – denn das THW verfügt über weitaus leistungsstärkere Pumpen. Und so rückten die THW-Gruppen aus Arnsberg mit einer so genannten Hannibal-Pumpe (5000 Liter/Minute) und das THW aus Iserlohn mit einer Dia-Pumpe (15000 Liter/Minute) an. Aber auch hiermit wird es Stunden dauern, bis das Wasser so weit abgepumpt ist, so dass der mit Laub und ähnlichem zugesetzte Abfluss wieder frei gemacht werden kann.
Schützenhalle und Treff Platte Heide unter Wasser
2. Stucken/Platte Heide: Was in Frielingsen für Ärger sorgte hat, seinen Ursprung aber viel weiter oben auf der Platten Heide. Die völlig durchnässten Felder unterm Gaxberg konnten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, daher floss immer mehr Oberflächenwasser in den Wannebach. Das Wasser riss aber auch immer mehr Laub und Äste mit – und all das sammelte sich vor einem Gitter neben der Gaststätte Stucken, wo der Wannebach in einem Rohr unter der Erde verschwindet. Damit war auch hier ein Engpass entstanden, der die Massen nicht mehr halten konnte. Das Wasser suchte sich gegen 9 Uhr eine neuen Weg und strömte Richtung Schützenhalle und Jugendtreff Platte Heide. Der gesamte Hallenvorplatz war ein riesiger See, der Weg neben dem Jugendtreff glich einem reißenden Fluss.
Am Schlimmste betroffen ist der Treff Platte Heide – und das wenige Tage, nachdem der Stadtrat die drohende Schließung des Jugendtreffs abgewendet hat. Noch mittags stand der Keller des Jugendtreffs bis zur Decke unter Wasser. Akten, Vorräte und der Teenie-Treff waren betroffen. Am Schlimmsten ist aber: Im Keller befand sich auch ein Band-Probenraum: Eine Jugend-Band hatte dort ihre gesamte Ausrüstung untergebracht. Das alles dürfte nicht mehr zu gebrauchen sein. Auch im Erdgeschoss hat das Wasser fast alle Räume in Mitleidenschaft gezogen. Wie hoch der Schaden ist, ist noch unklar.
Auch die Schützenhalle Platte Heide stand teils unter Wasser. Glück im Unglück für die Schützen: Die Küche und die große Halle blieben relativ verschont, die Kellerräume mit den Vereinsräumen wurden aber geflutet. Binnen kürzester Zeit hatte der Schützenverein gut 30 Helfer zusammengetrommelt, die gleich begannen, das Wasser zu entfernen. Das für den Nachmittag geplante große Kaffeetrinken der Damen-Kompanie fiel aber im Wortsinne ins Wasser.
Im Bereich Stuken liefen auch mehrere Keller und Garagen voll Wasser. Der Baubetriebshof versuchte immer wieder mit neuen Gräben das Wasser geregelt von den Feldern zu leiten. Zudem wurde mit einem Bagger das Sieb an dem Wannebach-Rohr immer wieder freigemacht.
Sägemühle schon zum zweiten Mal überflutet
3. An der Sägemühle: Erst im Juli vergangenen Jahres war die Straße „An der Sägemühle“ nach einem Starkregen überflutet worden. Jetzt war es wieder so weit, der Lahrbach hatte sich einen neuen Weg gesucht. Auch hier war wieder der Übergang eines offenen Gewässers in eine Verrohrung die Ursache. Der Lahrbach fließt am ehemaligen Hotel „Im Loch“ in eine durch ein Gitter geschützte Verrohrung. Auch diese hatte sich wieder zugesetzt. Die Wassermassen konnte das Rohr jedenfalls nicht aufnehmen, der Lahrbach floss über die Straße und ließ mehrere Keller und Garagen volllaufen. Mindestes zwei Häuser waren schon im vergangenen Jahr betroffen. Das Wasser staute sich bis zur Werler Straße. Auch hier musste die Feuerwehr lange arbeiten, um die Wassermassen zu bändigen und abzupumpen. Der Schaden ist auch hier noch nicht zu beziffern.
Situation an der Bieber macht Sorge
Neben diesen drei Hauptpunkten war und ist die Situation aber auch in anderen Orten brenzlig: Die Bieber macht den Einsatzkräften Sorgen, da der Pegel sehr hoch ist. Mit Sandsäcken wird derzeit versucht den Damm am Bieberkamp zu stützen. Auch Anwohner vom Walzweg sorgen sich, dass die Keller bald unter Wasser stehen. Eine Sandsack-Mauer ist auch wieder an der Heilig-Geist-Kirche errichtet worden – hier kommt die Hönne immer näher. An der Kaiserstraße und an der Max-Eyth-Straße bei Rostek sind die Spundwände eingebaut worden, damit sich die Hönne dort nicht wieder in die Straßen bzw. in die Firmen ergießt.
Mit Lautsprecherdurchsagen Bürger gewarnt
Das städtische Ordnungsamt hatte schon am Vormittag die Menschen in der Innenstadt und entlang der Bieber mit Lautsprecherdurchsagen gewarnt – teils klingelten die Mitarbeiter auch an den Türen. Die Anwohner wurden aufgefordert, ihre Sachen aus den Kellern in Sicherheit zu bringen: An der Bieber wegen der Angst, dass der Bach über sein Ufer tritt, in der Innestadt aus der Furcht, dass sich der steigende Grundwasserspiegel in die Keller drückt. Der Schieber am Mühlgraben wurde geschlossen, so dass von dort kein Wasser aus der Hönne in Richtung Innenstadt fließt.
Der städtische Mendener Baubetrieb war den ganzen Tag unterwegs, um Gullys und Zuläufe zu reinigen. Viele Anwohner kritisierten, dass dies viel zu selten geschehe und daher Hochwasser vorprogrammiert seien. Mendens Kämmerer und Beigeordneter Ernst Hamer, der sich am Samstag lange auf der Feuerwache aufhielt, entgegnet: „Die Mitarbeiter haben schon am Freitag an gefährlichen Stellen, wie etwa in der Asbeck, die Gullys und Abläufe frei gemacht.“ Allerdings setzten sich diese wegen der großen Menge Laubs, das gefallen sei, immer wieder zu. Feuerwehr-Einsatzleiter Winfried Schulte bestätigt: „Da kommen die Einsatzkräfte nicht nach.“
Sandsäcke gefüllt
Am Ziegelbrand, wo Feuerwache und Baubetriebshof beheimatet sind, wurden viel Sandsäcke gefüllt, die an neuralgische Orte gebracht wurden. Dort musste sich die Bürger allerdings teils selbst helfen und die Säcke aufstapeln, da die Einsatzkräfte an vielen Orten gebunden waren.
Und auch das gehört zu einem solchen Tag, an dem so viel Helfer im Einsatz sind. Auch der Kochtrupp der Feuerwehr wurde alarmiert, um alle Helfer zu versorgen.
Haben Sie noch Informationen und Bilder?
Wenn Sie noch von weiteren Hochwasserschäden berichten können und uns Bilder zur Verfügung stellen können, dann schicken Sie dies bitte an menden@westfalenpost.de.
17:19
Zu erwähnen wäre noch das Feeurwehr und THW nicht nur gegen das Wasser, sondern auch gegen Besucher der Ü30-Party im tiefenrausch zu kämpfne hatten, welche sich teilweise belustigend über die Absperrungen hinwegzusetzen versuchten. Höhepunkt war dann nachts ein tätlicher Angriff eines Partygastes auf einen THW-Helfer, aber die Polizei war nach Anforderung schnell vor Ort.
Von Besuchern einer Ü30 Party hätte ich ein altersgerechtes Verhalten erwartet.
Hinzu kommt auch noch das der Veranstalter die Dreistigkeit besaß nachzufragen ob man nicht die Feuerwehr als Lotsen für die Partygäste einsetzen könnte (O-Ton: Habt ihr nicht nen Azubi, der....)
Ich wünsche mir das auch dieser Aspekt in den nächsten Tagen in der Zeitung erwähnt wird.
14:12
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12:21
Mit den Fotos in der zweiten Strecke wird nun auch der Einsatz des THW gewürdigt.
12:15
Einfach das nächste mal das THW eher dazu ziehen !! Man beachte nicht nur die Leistungsstärkeren Pumpen sondern auch die Schläuche die logischerweise dazu gehören. Diese starken Regenfälle waren lange vorausgesagt. Und deswegen müssen manchmal auch Spezialisten her !!
10:10
gg @14 du hast vergessen zu sagen das es net die Feuerwehr war die euch rausgeholt hat ;-)
Aber ja Die Feuerwehr un auch das THW haben ganze arbeit geleitet wenn man bedenk das manche nach 24h erst wieder zu hause waren und andere wieder seit 5 unterwegs sind.... Ein großes LOB
23:13
dank des lautstarken weckrufs um 8 uhr morgens durch die feuerwehr konnte ich noch mein auto in sicherheit bringen, ansonsten hätte ich es verschlafen und es erst zu spät gemerkt. wir wohnen seit 1976 hier in frielingsen und haben eine solch starke überflutung noch nicht erlebt. wir haben glücklicherweise noch strom und konnten unseren keller selbstständig wieder trocken legen, jedoch die schäden bleiben. danke an die feuerwehr und das thw die sich immer noch abmühen. das wasser stand nicht nur uns, sondern auch den männern und frauen der feuerwehr im wahrsten sinne des wortes bis zum hals. das was in ihrer macht stand haben sie auch möglich gemacht. DANKE
21:57
Die komplette Tiefgarage und der Keller standen unter Wasser, die pumpen uns jetzt noch leer da... aber die haben echt gute Arbeit geleistet, über Stunden im plätschernden Regen. Allerbesten Dank an alle Feuerwehrleute und THW-ler!
Dieser Bericht stimmt nicht so ganz, der Säugling ist schon 8 Monate und es sind noch andere Anwohner mit uns gegangen *ggg*
21:41
Treff Platte Heide unter Wasser!
Das kommt der Stadt doch wohl entgegen!
Schließung perfekt????
21:18
Frau dinslage hat sehr gut alles dokumentiert , besonders über ein Haus , besonders den roten Golf 2 aus der Garage , die Feuerwhr und ThW hat super arbeit geleistet und hat bestimmt noch mehr arbeit der Regen hört nicht auf !
20:58
Die Leistung der Mendener Feuerwehr bei diesem Hochwasser hat Frau Dinslage mit 108 Fotos sehr gut dokumentiert. Leider vermisse ich Fotos vom Einsatz des THW, die mich sehr interessieren würden.